Wirtschaft : Dem Wunderkind droht die Zwangsvollstreckung

Lars Windhorst wurde einst als Vorzeige-Unternehmer gefeiert. Nächste Woche könnte der Gerichtsvollzieher bei ihm klingeln

Alexander Visser

Berlin. Manche Wunderkinder stürzen hart. Wenn sich anfängliche märchenhafte Erfolge in Scheitern verwandeln, bleibt die Häme nicht aus. Damit muss zurzeit der Unternehmer Lars Windhorst leben, der in der noblen Berliner Adresse Potsdamer Platz 1 residiert, im 13. Stock des roten Klinkerbaus. Schon nächste Woche droht dem früher als Teenager-Tycoon titulierten Unternehmer ein neuer Tiefpunkt seiner Karriere: Dann könnte ein Gerichtsvollzieher an seiner Tür klingeln, sagte der Berliner Anwalt Ulrich Arlt dem Tagesspiegel. Windhorst habe über zwei Millionen Dollar Schulden bei marokkanischen Geschäftspartnern.

Das Landgericht Bielefeld hatte vor mehr als sechs Wochen geurteilt, Windhorst müsse die Summe zurückzahlen. Arlt zufolge lief die Berufungsfrist gegen das Urteil Mitte Mai aus. Windhorst habe aber weder Berufung eingelegt, noch gezahlt, noch einen Vergleich vorgeschlagen. „Seit dem Prozess hat er sich nicht gerührt“, sagte Arlt. Daher beantragte der Anwalt Zwangsvollstreckung. Sie könne erfolgen, „sobald mir zu dem Urteil der Rechtskraftvermerk vorliegt“. Damit rechnet Arlt nächste bis übernächste Woche. Die marokkanischen Geschäftspartner hätten in eine Aktiengesellschaft einsteigen wollen, die Windhorst habe neu gründen wollen. Doch statt in das neue Projekt, so die Vorwürfe, sei das Geld in die Windhorst Electronics GmbH geflossen, die mittlerweile aufgelöst ist.

Es ist nicht das erste Mal, dass Windhorst vor der Zwangsvollstreckung steht. Im Juni 2002 hatte er sein Stammhaus in seinem Heimatort, dem westfälischen Rahden, schließen müssen. Windhorst Electronics hatte nicht genug eigene Elektronikprodukte verkauft und musste den letzten verbliebenen 30 Mitarbeitern kündigen. Die warteten auf ausbleibende Abfindungen von rund 60000 Euro, bis im Dezember vergangenen Jahres die Zwangsvollstreckung anstand. Windhorst zahlte, um eine drohende eidesstattliche Versicherung über seine Vermögensverhältnisse abzuwenden.

Anwalt Arlt erwartet, dass Windhorst auch jetzt einem Offenbarungseid vermeiden will und die ausstehenden Millionen zahlt. Denn im schlimmsten Fall droht ihm sonst ein Eintrag in die Schuldnerkartei. Windhorst wäre dann nicht mehr kreditwürdig, EC- und Kreditkarte des Unternehmers würden eingezogen. Die Windhorst AG war am Donnerstag (Himmelfahrt) nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der heute 26-Jährige erlebte in den neunziger Jahren einen kometenhaften Aufstieg. Mit 16 verließ er die Schule, um mit elektronischen Bauteilen zu handeln und eröffnete wenig später Büros in Asien. Mit 19 begleitete er den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl als Vorzeige-Unternehmer auf einer Asienreise. Mit medienwirksam angekündigten Großprojekten brachte er sich immer wieder in die Schlagzeilen: Etwa durch ein nie verwirklichtes Hochhausprojekt in Vietnam. Im Jahr 2000 eröffnete er sein Berliner Hauptquartier im Beisein des Hollywood-Stars Michael Douglas. Von hier aus wollte er seine Finanzdienstleistungen und Firmenbeteiligungen steuern. Doch sichtbare Erfolge blieben aus und spätestens seit dem Ende seiner Rahdener GmbH musste Windhorst damit leben, als „Windbeutel“ verhöhnt zu werden.

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