Dementi aus Athen : Gerüchte um Rücktritt von Yanis Varoufakis

Eine baldige Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland ist nicht in Sicht. Die Reformliste aus Athen liegt noch nicht vor. Stattdessen wird über einen Rücktritt von Finanzminister Varoufakis spekuliert.

Mobiler Minister. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis am Freitag in Athen.
Mobiler Minister. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis am Freitag in Athen.Foto: REUTERS/Alkis Konstantinidis

Neuer Wirbel um Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis: Regierungsvertreter in Athen wiesen am Freitag Medienberichte zurück, wonach der 53-jährige Ökonom zurücktreten wolle. “Das stimmt nicht. Das ist weit von der Realität entfernt“, sagte ein Insider zu Reuters. Der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling zerstreute Hoffnungen auf eine baldige Einigung im Schuldenstreit. Die Bundesregierung hat eigenen Angaben zufolge noch keine genauen Informationen über die von Athen angekündigte Reformliste. Das Papier soll bis Montag vorliegen und unter anderen Maßnahmen zu Steigerung der Steuereinnahmen enthalten.

Die Regierung braucht kurzfristig 7,2 Milliarden Euro

Unter anderem hatte die “Bild“-Zeitung in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Athener Regierungskreise gemeldet, Varoufakis denke offenbar über seinen Rücktritt nach. In Deutschland hatte er zuletzt mit der “Stinkefinger“-Affäre Diskussionen ausgelöst, als er ein Video mit der Geste als Fälschung bezeichnet hatte. Innenpolitisch war er unter Druck geraten wegen privater Hochglanz-Fotos im französischen Magazin “Paris Match“. In den vergangenen Tagen hatte sich Varoufakis kaum zu Wort gemeldet.
Die Athener Regierung kämpft um die Zustimmung ihrer Euro-Partner und des IWF zu ihren Reformplänen. Davon hängt ab, wie schnell die Euro-Finanzminister weitere Hilfsgelder aus dem Rettungsprogramm freigeben. Insgesamt geht es um 7,2 Milliarden Euro, die die Regierung kurzfristig zur Begleichung von Schulden und zur Zahlung von Staatsausgaben wie Beamten-Gehältern braucht.

“Wir haben eine Vertrauenskrise mit Griechenland“


Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte, die Euro-Finanzminister würden sich mit dem Plan aus Athen befassen, wenn er vorliege. Dies sei bisher nicht der Fall. Der griechische Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis sagte, die Liste werde auch Ideen zur Verbesserung des Investitionsklimas und zur Effizienzsteigerung des Justizwesens enthalten.
Schelling machte deutlich, dass er mit der bisherigen Zusammenarbeit mit der neuen Regierung unzufrieden ist: “Wir haben eine Vertrauenskrise mit Griechenland.“ Das Mittelmeerland halte sich nicht an Abmachungen und liefere keine Unterlagen. “Auf dieser Ebene Entscheidungen zu treffen, ist mühsam.“ Teil der Ankündigungen Athens ist auch, entschlossener gegen Korruption vorzugehen. Der deutsche Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hält die Vorwürfe gegen deutsche Unternehmen - darunter Siemens - für einseitig.

“Zur Korruption gehören generell immer zwei: einer, der gibt, und einer, der nimmt“, sagte er der “Rheinischen Post“. Er unterstrich aber den Grundsatz: “Korruption ist nie gerechtfertigt.“ Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone wäre aus seiner Sicht für die deutsche Wirtschaft “kein Riesenproblem.“ Ein Euro-Austritt würde aber Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der EU und des Euro schüren, was nicht gut für den Standort Europa wäre. rtr

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