Dementi : Hillary Clinton will doch nicht zur Weltbank

Das Weiße Haus bestreitet Wechselpläne von Hillary Clinton für 2012. Die US-Außenministerin will ihr Amt am Ende der Amtszeit von Barack Obama niederlegen.

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Hillary Clinton.
Hillary Clinton.Foto: AFP

Washington - US-Außenministerin Hillary Clinton hat einen Bericht über ihr angebliches Interesse am Chefposten bei der Weltbank dementiert. „Ich strebe diese Position nicht an“, sagte Clinton am Freitag in der sambischen Hauptstadt Lusaka. Zuvor hatte es von Vertretern der Regierung in Washington bereits geheißen, die Berichte seien „völlig falsch“. Clintons enger Vertrauter Philippe Reines, Staatssekretär im Außenministerium, sagte:  „Sie würde den Posten auch nicht annehmen, selbst wenn man ihn ihr anbietet.“

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte unter Berufung auf Quellen, die sie nicht namentlich offenlegte, behauptet, Hillary Clinton erwäge einen Wechsel an die Spitze der Weltbank im Sommer 2012. Diese Meldung fand weite Verbreitung, denn sie hat hohe Brisanz angesichts des Streits um die Besetzung des Chefpostens bei der benachbarten Schwesterorganisation der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Dessen Präsident Dominique Strauss-Kahn musste zurücktreten, weil er versuchter Vergewaltigung angeklagt ist. Bisher war stets ein Europäer Chef des IWF, und ein Amerikaner stand an der Spitze der Weltbank. Schwellenländer stellen diese Aufteilung infrage. Beim IWF wollen die Europäer die französische Finanzministerin Christine Lagarde durchsetzen. Sollte parallel eine Debatte um den nächsten Präsidenten der Weltbank einsetzen, entstünde eine hoch explosive Situation.

Clinton hatte seit längerem erklärt, dass sie ihr jetziges Amt als Außenministerin zum Ende der ersten Amtszeit des Präsidenten Obama niederlegen wolle. Gewählt wird Anfang November 2012. Die Amtszeit des künftigen Präsidenten, egal ob Obama wiedergewählt wird oder ein republikanischer Herausforderer ihn besiegt, beginnt am 20. Januar 2013.

Derzeit ist der Amerikaner Robert Zoellick Präsident der Weltbank. Er ist bis zur Jahresmitte 2012 gewählt. Beobachter vermuten, dass er eine weitere Amtszeit anstrebt und gute Chancen darauf hat, da er erfolgreich und beliebt ist. Die Weltbank kommentierte die Wechselgerüchte denn auch mit dem Hinweis, es sei unklar, ob der Chefposten im Sommer 2012 überhaupt vakant werde. Zoellick sagte bei einer Pressekonferenz in Norwegen, es sei Sache der Anteilseigner, den Präsidenten der Weltbank zu ernennen. 187 Staaten sind Eigner der Weltbank. Ihre Stimmrechte richten sich nach den Kapitalanteilen. Amerika ist der größte Anteilseigner und hat 16,4 Prozent der Stimmrechte.

Hillary Clintons Tochter Chelsea hatte im Juni 2010 geheiratet. Hillary Clinton sprach offen darüber, wie leid es ihr tat, dass sie damals Außenministerin war und sich wegen ihrer häufigen Reisen nur begrenzt an den Hochzeitsvorbereitungen beteiligen konnte. Seither scheint klar zu sein, dass sie als Nächstes eine Aufgabe anstrebt, die es ihr erlaubt, den Großteil des Jahres in den USA zu verbringen – zum Beispiel als Verfassungsrichterin. Christoph von Marschall

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