Wirtschaft : Demnächst in Bagdad

Tewe Pannier

Ich habe Bagdad gesehen. Die älteste Metropole Arabiens. Das Zentrum ist lebhaft und hell erleuchtet, sogar mitten in der Nacht. Nur der Tigris liegt schwarz zwischen den Häuserblöcken. In den Außenbezirken scheint es etwas ruhiger zu sein. Es sieht friedlich aus, jedenfalls aus 10 350 Metern Höhe. Auch die Stewardess kann sich nicht vom Fenster losreißen und starrt auf das Lichtermeer.

Morgen, wenn es Tag wird, werden da unten wieder Menschen sterben. Doch die Flugroute ist wie ein kleiner Hoffnungsschimmer. Wohl zwei Dutzend Mal bin ich nach Dubai geflogen und zurück, immer über den Iran oder über Saudi-Arabien. Noch nie über den Irak.

„Fünf Jahre noch“, sagt Marwan, ein Händler aus den Vereinigten Emiraten, „dann können wir da endlich wieder ganz normal Geschäfte machen.“ Jetzt gibt es viele Hindernisse. „Die Verhandlungen in Bagdad kann ich nie selbst führen. Ich muss immer meine Leute schicken. Aus Sicherheitsgründen.“

Hani schwärmt vom Norden des Irak. „Da boomt es, und es gibt keine Bomben, keine Kämpfe, keinen Terror.“ Er verkauft TV-Lizenzen, bringt Cartoons für Kinder und Krimis für Erwachsene in den Irak. Auf die Frage nach dem doch wohl sehr eingeschränkten Kundenkreis lacht er nur. „Über Kunden kann ich mich nicht beklagen. Mittlerweile gibt es 26 irakische Fernsehsender.“

Auf dem Flug über das Kriegsgebiet tauchen jetzt andere aus den Nachrichten bekannte Städte auf. Auch Kirkuk und Mossul sind hell erleuchtet. Wahrscheinlich sehen da unten jetzt einige noch einen Krimi im Fernsehen. Und vielleicht kann ich mir das alles bald wirklich aus der Nähe anschauen.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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