Demografie : Studie: Urlaubsverhalten der Deutschen ändert sich

Rentner reisen gern - doch die Senioren von morgen werden anders reisen als die heutige Rentnergeneration. Sie werden auch im höheren Alter mobil und individuell reisen, wie eine Studie belegt. Das hat Folgen für die Tourismusbranche.

Vera Pache

Berlin - Der demografische Wandel wird sich zunehmend auf den deutschen Tourismus auswirken. „Wir gehen davon aus, dass die über 70-Jährigen in Zukunft noch häufiger reisen werden“, sagte Bente Grimm vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa am Donnerstag in Berlin. Grimm stellte eine Studie vor, die das Institut zusammen mit DWIF-Consulting Berlin und TNS Infratest München erstellt hat.

Geldgeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). „Wir haben die Studie in Auftrag gegeben, um Erkenntnis darüber zu gewinnen, wie sich der Senioren-Tourismus entwickeln wird“, sagte Ernst Hinsken (CSU), Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus.

Die Antwort bekam er. Die Zahl der Senioren wachse, aber „Senioren von morgen werden nicht mehr so reisen wie Senioren von heute“, sagte Mitautorin Grimm. Sie begründete das mit dem sogenannten Kohortenverhalten – nämlich damit, dass jede Generation ihr Reiseverhalten auch mit ins Alter nimmt.

Das hat Konsequenzen für den deutschen Tourismus. Zum Beispiel prognostizieren die Autoren, dass die Älteren in Zukunft mehr ins Ausland reisen werden. Anstatt im Reisebüro, würden die Reisen im Jahr 2020 vermehrt über das Internet gebucht. Ferienhäuser und -wohnungen würden bei den Übernachtungen eine größere Rolle spielen, verglichen mit Gasthöfen und Hotels. Und an Stelle von Bus und Bahn würden das Flugzeug oder das eigene Auto häufiger für die Anreise benutzt.

So manches Ergebnis der Studie hätte sich der Tousimusbeauftragte Hinsken allerdings anders gewünscht. „Einige Aussagen müssen hier noch mit einem Fragezeichen versehen werden“, sagte er und verwies dabei vor allem auf den Tourismus innerhalb Deutschlands, dem die Studie einen Rückgang voraussagt. „Für mich hat der Inlandstourismus Zukunft“, betonte Hinsken. Auch glaube er nicht an den Bedeutungsverlust von Busreisen – besonders nicht vor dem Hintergrund, dass ein Anstieg bei den Tagesausflügen angekündigt werde.

Vor Tourismus- und Wirtschaftsvertretern aus ganz Deutschland wies der Tourismusbeauftragte darauf hin, dass die Studie vor ihrer endgültigen Veröffentlichung noch einmal gründlich geprüft werden müsse. Bestimmte Faktoren, wie steigende Ölpreise oder politische Entwicklungen in anderen Ländern sowie das hohe Sicherheitsbedürfnis der Deutschen seien in der Untersuchung nicht berücksichtigt worden, kritisierte der CSU-Politiker. 

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