Demografischer Wandel : Bundesbank wirbt für Rente mit 69

Die stufenweisen Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahren vor bald zehn Jahren galt als politischer Tabubruch. Bei der Bundesbank denk man jetzt über den nächsten Schritt nach.

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Ein Rentnerpaar auf einer Bank vor dem Reichstag in Berlin.
Ein Rentnerpaar auf einer Bank vor dem Reichstag in Berlin.Foto: dpa

Die Schwelle für den Eintritt ins Rentenalter müsse langfristig weiter steigen, soll das aktuelle Versorgungsniveau gehalten werden. Nach Ansicht der Bundesbank sollten Bundesbürger in ferner Zukunft nicht nur bis 67, sondern bis 69 arbeiten, bevor sie ihren Ruhestand genießen dürfen. Bis zum Jahr 2060 sollte das Renteneintrittsalter Schritt für Schritt auf dieses Niveau angehoben werden, schreibt die Bundesbank in ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht August. Nachdem das Rentenalter derzeit schrittweise bis 2029 von 65 auf 67 Jahre angehoben wird, seien „weitere Anpassungen unvermeidlich“, um die finanzielle Tragfähigkeit der Rentenversicherung sicherzustellen und den Rückgang des Versorgungsniveaus aufzuhalten. „Dabei sollte auch eine längere Lebensarbeitszeit nicht tabuisiert werden.“

Ginge es nach wirtschaftsnahen Fachleuten wie etwa vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln gehen die Bürger künftig erst im Alter von 73 Jahren in den Ruhestand. Während man in der Union auch in diese Richtung denkt, bremst der Koalitionspartner SPD - wohl auch mit Blick auf die Wahlen im Herbst 2017.

Nach Ansicht der Bundesbank lassen sich selbst die Ziele der Bundesregierung, den Rentenbeitrag der Arbeitnehmer auf höchstens 22 Prozent ihres Bruttoverdienstes zu begrenzen und das Rentenniveau nicht unter 43 Prozent des letzten Durchschnittsgehaltes sinken zu lassen, kaum halten. Grund: Die steigende Lebenserwartung und die niedrige Geburtenrate, die dazu führt, dass immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner mitfinanzieren müssen.

Derzeit liegt das Rentenniveau bei 47,5 Prozent. 2030 soll es bei mindestens 43 Prozent liegen. Gibt es keine Änderungen dann droht es nach Berechnungen der Bundesbank bis 2060 auf 40,5 Prozent abzurutschen. Gehen die Bundesbürger erst mit 69 in Rente könnte sich das Niveau, so die Volkswirte der Notenbank, bei rund 44 Prozent stabilisiert werden. Allerdings steigt auch dann der Beitragssatz zur Rentenversicherung von derzeit 18,7 auf etwa 24 Prozent. Aktuell werden bis 2030 höchstens 22 Prozent erwartet.

Den Vorstellungen der Bundesbank zufolge könnte das Renteneintrittsalter ab 2030 bis 2060 um einen dreiviertel Monat pro Jahr erhöht werden. „Tatsächlich würden so erstmals im Jahr 2064 Personen im Alter von 69 (Geburtsjahr 1995) in Rente gehen.“

Spielraum für ein noch späteres Rentenalter gibt es nach Ansicht der Bundesbank, weil die Lebenserwartung gestiegen ist und dies oft mit einer besseren Gesundheit einhergeht. 1960 hätten Erwerbstätige, die mit 65 Jahren in den Ruhestand gegangen seien, im Schnitt weitere 13,5 Jahre gelebt. 2011 seien es schon 19 Jahre gewesen. Diese deutlich längere Rentenphase geht mit höheren Anforderungen an die Rentenkasse einher. Wird das Renteneintrittsalter erhöht, könnte nach Ansicht der Bundesbank auch die Rentenbezugsdauer stabilisiert werden. Ähnlich hatte zuletzt auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OECD) argumentiert und Reformen in Deutschland gefordert.

Vor diesem Hintergrund ist, so die Notenbank, auch die private Altersvorsorge ein wichtiger Faktor. Dazu sei auch die 2002 eingeführte Riester-Rente ein bedeutsamer Beitrag, gerade für Bezieher geringerer Einkommen. Dadurch könne das gesamte Versorgungsniveau im Alter deutlich angehoben werden. „Wird die relative Rentenbezugsphase durch ein über 67 Jahre hinaus weiter steigendes Renteneintrittsalter zusätzlich stabilisiert, erreichen die seit Anfang der achtziger Jahre Geborenen, für die eine Einzahlung in eine geförderte private Altersvorsorge über die gesamte Erwerbsphase unterstellt wird, sogar ein Gesamtversorgungsniveau von 58 Prozent.“ Die Bundesregierung unterstellt für das gesamte Versorgungsniveau, also auch für die Riester-Rente, eine nominale Rendite von vier Prozent. Angesichts der aktuellen Zinsentwicklung ist ein solcher Wert nach Ansicht der Bundesbank allerdings zu hoch.

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