Wirtschaft : Den deutschen Börsen droht Gefahr aus Amerika

OSKAR H.METZGER (MAIN)

FRANKFURT .Die Börsengurus heben warnend den Finger.Nachdem der Deutsche Aktienindex (Dax) unter 5000 Punkte abrutschte, orten sie als Gefahr für den mittelfristigen Aufwärtstrend die amerikanischen Börsen.Sollte die Spekulationsblase dort platzen, könnte die Reise nach ihren Prognosen auch nach unten gehen.Für die BHF-Bank in Frankfurt (Main) ist der Dax stark von der Entwicklung der US-Aktien abhängig.Die US-Aktientechnik lasse jedoch vermuten, daß dort größeres Ungemach ins Haus steht.Die Indikatoren würden sehr wohl Verkaufsdruck erkennen lassen.Positiv sei lediglich die Tatsache, daß unter US-Technikern darin Übereinstimmung besteht, daß die Situation hochbrisant sei.Hier gelte aber die allgemeine Regel, wie die Frankfurter ironisch anmerken, daß "die Masse irrt".

Der Dax hat für die Analysten der Vereins- und Westbank deutlich an Aufwärtsdynamik verloren.Der Renditeanstieg am US- und am japanischen Rentenmarkt erwies sich als Belastung.Aus technischer Sicht sollte sich nach Einschätzung der Analysten der Dax zunächst in der Spanne zwischen 4850 und 5350 Punkten weiter seitwärts bewegen.Für die Sparkasse Bremen lassen jedoch mögliche Gewinnrevisionen und negative Konjunkturnachrichten in Europa als kurzfristige Unsicherheitsfaktoren die Luft im Frühjahr "dünner werden".Das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt rät Privatanlegern dringend von der Zockerei an der Börse ab.Ziel eines Aktienkaufs sei es, auf Sicht von mehreren Jahren eine bessere Rendite als bei anderen Anlagen zu erzielen und dabei das Risiko so gering wie möglich zu halten.Einen möglichen Verlust könne man zum Beispiel durch den "Trick mit den zehn Prozent" begrenzen.

Nach dieser Methode werden höchstens zehn Prozent des gesamten Anlagekapitals in spekulative Wertpapiere gesteckt.Gleichzeitig wird eine sogenannte Stoploss-Order erteilt, die zehn Prozent unter den Kaufkursen liegt.Die Papiere werden dann von der Bank an der Börse verkauft, wenn der Kurs zehn Prozent unter den Einstandspreis fällt.Auf diese Weise ist zumindest gewährleistet, daß der Verlust nicht viel mehr als ein Prozent des Anlagekapitals beträgt.

Doch den Gurus mit ihren Untergangswarnungen mag sich die Landesbank Schleswig-Holstein in Kiel nicht anschließen.Sie sieht vielmehr einen Ausbruch des Dax nach oben als wahrscheinlichstes Szenario an.Dazu könne auch die in verschiedenen Branchen wieder grassierende Fusionseuphorie beitragen.Der überraschende Zusammenschluß in der französischen Bankenlandschaft habe die Phantasien im Hinblick auf mögliche Fusionen unter deutscher Beteiligung im Finanzbereich wieder aufleben lassen.

Auch im Automobilsegment warte man nahezu stündlich auf neue Meldungen zum Thema Übernahmen.Nachdem Volvo vom Markt sei, würden die Spekulationen nun immer stärker um BMW kreisen.Die Interessenten scheinen dort nach Analystenmeinung Schlange zu stehen und könnten sich gegebenenfalls eine für die Kursentwicklung positive Übernahmeschlacht liefern.Auch VW, Fiat und Renault sind immer wieder Objekte von Fusionsphantasien.

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