Wirtschaft : Den Deutschen vergeht der Bierdurst

Krombacher, Warsteiner und Bitburger verkaufen deutlich weniger Pils – Billigbrauer legen zu

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Düsseldorf - Die Siegerländer Brauerei Krombacher hat trotz der Krise auf dem deutschen Biermarkt im vergangenen Jahr mehr verkauft als je zuvor. Der Absatz wuchs mit 0,4 Prozent – das ist allerdings deutlich weniger, als Krombacher erwartet hatte. Zwar konnten alkoholfreies Bier und Mixgetränke wie Radler oder Cola-Bier deutlich zulegen. Auf klassisches Pils aber hatten die Verbraucher weniger Lust.

Von ihrem Krombacher Pils, das fast 90 Prozent des Gesamtabsatzes ausmacht, verkaufte die Brauerei 2005 rund drei Prozent weniger als im Vorjahr. „Trotz des Rückgangs haben wir unseren Abstand zu den Wettbewerbern vergrößert“, sagte Marketingchef Hans-Jürgen Grabias am Dienstag. Das ist zwar richtig, liegt aber vor allem daran, dass die Biere der anderen Brauer sich noch schlechter verkauften. So mussten in der vergangenen Woche Warsteiner und Bitburger – Krombachers größte Konkurrenten – deutliche Rückgänge im Deutschland-Geschäft verkünden. Bei Warsteiner, bis vor ein paar Jahren noch Marktführer, brach der Absatz 2005 sogar um fast zehn Prozent ein.

Schon seit einiger Zeit lässt der Bierdurst der Deutschen nach. Für die Absatzrückgänge machen die Brauereien auch die schwache Konjunktur verantwortlich. Kurz gesagt, die Deutschen sparen auch am Bier. „Wir hatten in diesem Jahr eine Konsumentenverunsicherung“, sagte Krombacher-Manager Grabias. Ein Problem allerdings verschweigen die Brauer gerne: Der Druck der Billigkonkurrenz. Denn nicht alle Biermarken stecken in der Krise. Die Brauerei Oettinger, die Deutschlands billigstes Bier herstellt, legte beim Verkauf weiter zu „2005 ist unser Absatz um 1,9 Prozent gestiegen“, sagte Oettinger-Geschäftsführer Michael Meyer. 2004 hatte die Brauerei etwa 6,4 Millionen Hektoliter Bier verkauft, das an fünf Standorten in Deutschland hergestellt wird. Damit ist Oettinger noch vor Krombacher das meist getrunkene Bier in Deutschland – nicht zuletzt, weil es einen Kasten Oettinger schon ab fünf Euro zu kaufen gibt.

„Die Großen haben es nicht verstanden, dem Verbraucher zu vermitteln, warum er 30 Cent mehr für eine Flasche ihrer Marke ausgeben soll“, sagt Rudolf Böhlke, Bierbranchenexperte bei der Unternehmensberatung Ernst & Young. Daher greife der Kunde lieber zum günstigeren Bier. „Zumal es in Deutschland praktisch kein schlechtes Bier gibt, alle werden nach dem Reinheitsgebot gebraut.“ Böhlke glaubt, dass es die großen deutschen Markenbiere in Zukunft schwer haben werden. „Viele werden um ihr Überleben kämpfen müssen.“ Daran wird auch der Trend zum modernen Mild- oder Gold-Bier wohl nichts ändern. Nachdem die zum weltgrößten Braukonzern Inbev gehörende Brauerei Beck und Co vor drei Jahren ihr Beck’s Gold in glasklarer Flasche auf den Markt brachte und damit überraschend erfolgreich war, zogen im vergangenen Jahr die Konkurrenten nach. Krombacher brachte im Frühjahr sein Extra Mild heraus und konnte davon bis Jahresende knapp hunderttausend Hektoliter absetzen. Ein kleiner Erfolg, der den Rückgang beim klassischen Pils aber nicht kompensieren konnte. Branchenexperte Böhlke glaubt, dass das auch in Zukunft gilt. „Auch wenn der Trend anhält, werden diese Produkte nicht ausreichen, um die Probleme der Brauereien an anderen Stellen auszubügeln.“ stek/dro

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