Wirtschaft : Den Finanzprofis öffnet sich ein Megamarkt

JAN DIRK HERBERMANN

GENF .Kaum ist die internationale ökonomische Krise etwas aus den Schlagzeilen verschwunden, können sich die Manager von global operierenden Finanzdienstleistern auf ein neues weltweites Abkommen für ihre Branche freuen.Am 1.März soll ein Vertrag der Welthandelsorganisation (WTO) in Kraft treten, der einen Markt mit dem gigantischen Volumen von mehr als 60 Billionen Dollar weiter für ausländische Anbieter öffnet.Allerdings ist der Termin mit einem dicken Fragezeichen versehen.Denn 16 Staaten haben das Abkommen noch nicht ratifiziert.Die prominentesten sind Australien, Argentinien, Brasilien, Polen und als einziges EU-Land Luxemburg.Laut einem Sprecher der WTO verzögerten "interne prozedurale Probleme" die Ratifizierung.Am Montag wollen die 54 Staaten, die das Abkommen bereits durch ihre Parlamente geschleust haben, den genauen Zeitpunkt des Inkrafttretens bestimmen.

Im Dezember 1997 war der Pakt von 71 Staaten in der WTO abgeschlossen worden, darunter die USA, die 15 Staaten der EU, Japan und die Schweiz.Nach zähen Verhandlungen verordneten die Diplomaten den Banken, Börsendiensten, Vermögensverwaltern und Versicherungen einen schärferen internationalen Wettbewerb.Mit fast überschwenglichen Kommentaren reagierte das offizielle Brüssel: Der Vertrag sei ein "Katalysator des Wachstums", jubelte EU-Kommissar Sir Leon Brittan.Unmittelbare Auswirkungen auf den deutschen Markt sind von dem WTO-Deal kaum zu erwarten."Für die Verbraucher in der Bundesrepublik wird sich nichts Wesentliches ändern", dämpft ein EU-Handelsdiplomat Hoffnungen auf niedrigere Preise.Denn der europäische Markt sei genauso wie der amerikanische Markt schon weitgehend offen.

Von dem Abkommen versprechen sich Brüsseler Diplomaten aber "weltweit bessere Bedingungen für unsere Finanzinstitute".Deutsche Anbieter erkämpften sich 1995 weltweit die Spitzenposition, indem sie Finanzdienstleistungen in einem Wert von 11,1 Mrd.Dollar exportierten.Die Einfuhren betrugen 9,4 Mrd.Dollar.An zweiter Stelle rangierte Großbritannien mit einem Exportvolumen von 9,1 Mrd., gefolgt von Frankreich mit einem Wert von 8,1 Mrd.Dollar.

Mit Abstand breitet sich der größte und offenste Markt für Finanzdienstleistungen in den USA aus: Mehr als 400 ausländische Versicherungen und 1000 ausländische Banken buhlen schon jetzt um die Gunst der Amerikaner.Vor den Milliardenjongleuren aus der financial community fürchten sich nun aber besonders die Verantwortlichen in den Entwicklungsländern.

Der ägyptische WTO-Botschafter Mounir Zahran etwa unkte, daß die "Agenten" eines auf Hochtouren laufende Turbokapitalismus in die ärmeren Staaten einbrechen und die dortigen Finanzinstitute gnadenlos wegwischten.

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