• Den Fiskus mit der Tonnagesteuer umschiffen Deutsche Reeder und Anleger zahlen für Gewinne faktisch nichts

Wirtschaft : Den Fiskus mit der Tonnagesteuer umschiffen Deutsche Reeder und Anleger zahlen für Gewinne faktisch nichts

Bernd Hops

Berlin. Für die einen ist es nur ein wunderbares Steuersparmodell, von denen Besserverdiener profitieren. Für die anderen hängt von ihr die Zukunft der deutschen Seefahrt ab: es geht um die Tonnagesteuer. In der Regierungskoalition gab es schon nach der letzten Bundestagswahl Pläne für die Abschaffung dieser besonders günstigen Art, mit Schiffen erzielte Gewinne einfach pauschal zu versteuern. Der jüngste Vorstoß im so genannten Steuervergünstigungsabbaugesetz wurde jedoch vom Kanzler höchstpersönlich zurückgeschlagen. Er entschied: die Tonnagesteuer bleibt so, wie sie ist.

Die Tonnagesteuer ist mittlerweile Standard in der Europäischen Union und soll Schifffahrtsgesellschaften vom Umflaggen ihrer Schiffe auf Billigländer abhalten. Das lässt sich auch Deutschland einiges kosten. Egal wie groß der Gewinn eines Reeders mit einem Schiff ist – wählt er die Variante Tonnagesteuer, kann er den Gewinn einfach pauschal versteuern. Dabei gelten Festsätze je nach Schiffsgröße. De facto sind damit Schiffsgewinne in Deutschland steuerfrei, erklärt Hans-Jürgen Weiland, Steuerreferent des Landes Hamburg. Zahlt ein Anleger zum Beispiel 50 000 Euro in einen Schiffsfonds ein, dann bekommt er – wurde für das Schiff die Tonnagesteuer gewählt – im Jahr 84 Euro an Gewinnanteilen zugewiesen. Nur diese Anteile muss er dann bei seiner Einkommensteuer versteuern, nicht aber die tatsächlichen Gewinne. Die Fondsgesellschaften weisen darauf hin, dass der Staat zwar so zunächst auf Geld verzichtet, aber auf anderem Weg Steuern kassiert – nämlich zum Beispiel über die Gewinne der Fondsgesellschaften, die ohne Tonnagesteuer in Deutschland überhaupt kein Geschäft machen würden.

Als überzogen wird jedoch eine Wahlmöglichkeit kritisiert, die Schiffsbetreiber und damit Anleger haben, sagt Weiland. Für ein Schiff muss nicht von Anfang an die Tonnagesteuer gelten, sondern spätestens für das dritte Jahr. Die erzielten Ergebnisse können bis dahin normal versteuert werden. Der Vorteil für Anleger: In den ersten beiden Jahren fallen normalerweise ohnehin Verluste an. Die können sie über Verlustzuweisungen steuermindernd geltend machen. „Um die Tonnagesteuer nicht insgesamt zu gefährden, sollte diese Wahlmöglichkeit abgeschafft werden“, sagt Weiland. „Ganz ohne Tonnagesteuer geht die deutsche Schifffahrt aber den Bach runter.“

Subventionsland Deutschland – in dieser Serie berichtet der Tagesspiegel über die milliardenschweren Wohltaten des Staates für Bürger und Wirtschaft. In der nächsten Folge: Einige Geldanlagen werden steuerlich subventioniert, andere nicht. Wann kommt die gleiche Besteuerung für alle Anlagearten?

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