Wirtschaft : Den Gürtel enger schnallen

Die italienischen Edelschneider stecken in der Krise – die Geschäfte laufen schlecht

Claudia Russo[Mailand]

Eingehüllt in einen edlen Pelzmantel flaniert die schwarze Schönheit Naomi Campbell auf dem Laufsteg für die Modemacherin Simonetta Ravizza und ihre Marke Annabella. „Extrem schick“, befanden die Modekritiker. So schick, dass man die Existenz-Probleme der italienischen Modeindustrie beinahe vergessen könnte: Die nunmehr seit dem 11. September 2001 andauernde Umsatzkrise der großen Made-in-Italy-Unternehmen und die Angst vor einem Irak-Krieg, die selbst gutbetuchten Stammkunden des Edel-Geschäfts die Lust auf Luxus-Shopping verdirbt. Die Branche versucht nun, mit ihren ureigenen Mitteln verlorenen Boden gutzumachen. Kein Wunder also, dass die jetzt in Mailand vorgestellte Herbst-Winter-Frauenkollektion 2003/2004 noch ausgefallener und schicker ist als sonst. Da müssen auch überzeugte Pelz-Gegner wie Naomi Campbell ihre guten Prinzipien für ein paar Tage aufgeben und sich die umstrittenen Tierfelle überziehen.

Der glänzende Schein müsse jetzt bewahrt werden, schlechte Stimmung sei out, meint Alessandro Grassi, Experte für Mode-Marketing: „Die Mode will jetzt optimistisch sein, die Leute haben keine Lust mehr auf die schwarze Schlichtheit der vergangenen Jahren.“

Comeback der achtziger Jahre

Auch die römische Modeschöpferin Laura Biagiotti setzt auf Optimismus: Ihre Kollektion sieht aus, als hätte sie schon mal Anfang der 80er-Jahre über den Laufsteg gehen können. Enge Hosen, Miniröcke, Netzstrümpfe und Stiefeletten mit spitzen Absätzen erinnern an die goldenen Jahre der Yuppies. Zufall? Nein, Biagiottis Botschaft ist klar: Lieber wieder zurück in die einfachen und erfolgreichen achtziger Jahre als im Krisen-Alltag des Hier und Jetzt zu bleiben. „Ich denke heute an die 80er-Jahre zurück. Das waren Zeiten, in denen es wirklich einfach war, Mode zu machen und zu verkaufen.“ Doch die „Mamma der Mode“, wie die beinah 60-jährige Laura Biagiotti in Mailand genannt wird, lebt nun eben doch im Jahre 2003. Und muss genau wie ihre Konkurrenten versuchen, ihre horrend schlechten Geschäftszahlen zu verbessern. Die Kurve zeigt schon seit langem steil nach unten: Lag das Biagiotti-Geschäftsvolumen im Jahr 2000 noch bei 260 Millionen Euro, erreichte das Familienunternehmen im vergangenen Jahr nur 220 Millionen Euro. Größere Modemarken mussten im Jahr 2002 noch härtere Einbußen hinnehmen.

Bei der Modeholding Marzotto, die Mehrheitseigentümerin des deutschen Modehauses Hugo Boss ist, ging der Nettogewinn sogar um deutliche 43,3 Prozent zurück. Bei der Luxusmarke Bulgari waren es immerhin noch 35 Prozent. „Die ersten neun Monate des Jahres 2002 waren viel härter als die des Vorjahres“, sagt Francesco Trapani, Geschäftsführer des Edel-Juweliers. „Wir hatten im Jahr 2001 zunächst noch ein starkes Wachstum erlebt, doch dann kamen die Anschläge vom 11. September, der Börsenkrach, die Kriegsstimmung. Und die Lage wird sich vorerst nicht ändern.“

Dass das Jahr 2003 noch schlimmer wird als 2002, befürchten mittlerweile die meisten Modemacher. Der Modeschöpfer Piero Cividini aus dem norditalienischen Bergamo verzichtet bei seiner Frauenkollektion daher ganz auf das Frivole: „Ich habe mich in diesen Krisenzeiten entschlossen, nur schlichte Modelle zu präsentieren. Ich will nicht auf die Qualität meiner Kleider verzichten, aber die Stoffe sind im vergangenen Jahr um 15 bis 20 Prozent teurer geworden. Daher spare ich lieber an überflüssigen Details.“ Piero Cividini setzt in seiner Schau deshalb auf Lichtspiele und dezente Glanzeffekte zwischen glattem Satin und mattem Cashmere. Und hofft auf bessere Zeiten.

Probleme in Deutschland

„Wir haben das Jahr 2001 mit einem Umsatz von 17 Millionen Euro abgeschlossen. Im vergangenen Jahr waren es nur 15,5 Millionen Euro. Und ich bin wirklich froh, wenn es in diesem Jahr dabei bleibt und nicht noch schlimmer wird“, sagt Cividini. Vor allem auf dem deutschen Markt habe man sehr viel verloren, so Cividini: „Vor fünf Jahren hatten wir rund 30 Prozent unserer Waren nach Deutschland exportiert; heute sind es nur noch sieben bis acht Prozent.“

Doch das Leben geht weiter. Piero Cividini feilt an Expansionsplänen, er will nach China, auf den russischen Markt und in den Fernen Osten. Und auch Laura Biagiotti gibt nicht auf. Im Gegenteil: „Meine Mode bringt die Leute auf bessere Gedanken“, sagt sie. Und deshalb will sie demnächst neue Geschäfte eröffnen – in den USA.

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