Wirtschaft : Den Hörer für andere abheben

Telefonmarketing boomt / GKK Berlin eröffnet Filiale

BERLIN (jojo).Die Firma kann man ohne Übertreibung als Senkrechtstarter bezeichnen.Vor einem Jahr gründete Harald Kling seine Gesellschaft für Dialogmarketing (GKK), mittlerweile stehen fast 200 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste.Vom Stammsitz Frankfurt (Main) wagte der 30jährige Unternehmer jetzt den Sprung an die Spree.Vor dreieinhalb Monaten begann die GKK Berlin mit ihrer Arbeit, heute ist offizielle Eröffnung der Firmenfiliale.Zwölf feste und 30 freie Mitarbeiter übernehmen den Telefonservice für Unternehmen aller Art.Auch der Tagesspiegel ist bei der GKK engagiert: Die 16 ehemaligen Leserservice-Mitarbeiter kümmern sich jetzt unter dem Dach der GKK Berlin, an der der Tagesspiegel beteiligt ist, um die Wünsche der Abonnenten. Die 166 Beschäftigten am Main greifen bereits für namhafte Firmen zum Hörer: Die Siemens-Nixdorf-Informationssysteme (SNI) nutzten die GKK, um Interessenten für ihre Server zu gewinnen.RWE läßt 130 Energieexperten in der Telefonberatung schulen.Immer mehr Firmen benutzen das Telefon, um ihre Produkte zu verkaufen oder die Kunden zu betreuen.Der Energieerzeuger RWE beispielsweise schickt seine Berater zur GKK, um die Grundlagen der Arbeit am Telefon zu lernen.Das dauert nur einen Tag.Alles andere erfahren sie vom eigenen Schreibtisch aus - per Telefon.Den Telefonleitfaden vor sich, das Produkt im Kopf und den Hörer in der Hand rufen sie bei den GKK-Trainern an, die unschlüssige oder bockige Kunden mimen.Minuten später kommt das Feedback der GKK-Profis - natürlich per Telefon. SNI nutzte den Telefon-Service, um neue Kunden für seine Serverlinie zu gewinnen.Bei 10 000 mittelständischen Unternehmen fragten die Telefonexperten ab, welche Hardware dort genutzt wird.Über 6000 Entscheider erhielten daraufhin ein individuelles Informationsschreiben.Rund 1800 EDV-Führungskräfte bissen an, und Termine mit den Außendienstmitarbeitern des Computerherstellers wurden vereinbart. GKK gliedert seine Geschäfte in vier Bereiche.Im Vordergrund steht der Telefonservice im Auftrag von Kunden.Dabei werden Kundendienst-Termine vereinbart, Waren verkauft oder Marktforschung betrieben.Je nachdem, welche Telefonnummer die Anrufer wählen, melden sich die Beschäftigten unter anderem Firmennamen.Der Anrufer hat so immer den Eindruck, direkt bei dem von ihm gewünschten Unternehmen zu sein.Daneben betreibt das Unternehmen Datenbanken, über die für Firmen Werbung gemacht wird.Rover-Deutschland beispielsweise hat das Wissen über seine Kunden der GKK anvertraut.Ein weiterer Bereich ist Training und Schulung von Mitarbeitern.Darüber hinaus berät die GKK Unternehmen in Kommunikationsfragen, wie der optimalen Einrichtung von Büros und der Ausbildung der Mitarbeiter. Von Berlin aus will die GKK die neuen Länder erobern.In der Hauptstadt schielen die Telefonstrategen vor allem auf Verbände und Parteien, die in den kommenden Jahren an die Spree ziehen werden.Daneben sollen bis zur Jahrtausendwende auch Büros in Hamburg, München und im Rheinland entstehen. Die Branche wächst derzeit mit 40 bis 60 Prozent pro Jahr.Experten erwarten, daß das Telefonmarketing in 15 Jahren der klassischen Werbung den Rang ablaufen wird.GKK rechnet im laufenden Jahr mit einem Umsatz von 10 Mill.DM.

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