Wirtschaft : Den Investoren war der Preis zu hoch

Jetzt könnte es die Aktie in der nächsten Woche schon für 11,50 Euro geben / Kritik an den verantwortlichen Banken

Stefan Kaiser,Rolf Obertreis

Berlin - Nach der Verschiebung des Börsengangs bietet die Fluggesellschaft Air Berlin ihre Aktien nun deutlich billiger an. Das Unternehmen senkte am Freitag die Preisspanne, zu der Anleger Aktien zeichnen können, überraschend stark. Jetzt können Interessenten Gebote zwischen 11,50 bis 14,50 Euro abgeben. Zuvor waren es 15 bis 17,50 Euro.

„Wir hatten von den Investoren ein positives Feedback zur Geschäftsstrategie und zum Unternehmen“, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. „Knackpunkt war letztlich der Preis.“ Darauf habe das Unternehmen mit der neuen Preisspanne und einer Senkung der auszugebenden Stückzahl reagiert. Statt knapp 50 Millionen sollen jetzt nur noch höchstens 42,5 Millionen Aktien ausgegeben werden. Dadurch sinken die geplanten Einnahmen von 872 Millionen auf 616 Millionen Euro. Nur etwa die Hälfte des Erlöses geht an das Unternehmen, den Rest erhalten die Altaktionäre, die den Großteil ihrer Anteile verkaufen.

Die Aktie von Air Berlin sollte am Freitag zum ersten Mal an der Börse notiert werden. Am Donnerstagabend hatte das Unternehmen den Börsengang überraschend verschoben, weil die Nachfrage zum angebotenen Preis zu gering war.

Experten reagierten positiv auf die billigeren Aktien und halten einen erfolgreichen zweiten Anlauf in der kommenden Woche für wahrscheinlich. „Über den Preis lässt sich so etwas immer regeln“, sagte Stefan Schöppner, Luftfahrt-Experte der Dresdner Bank, dem Tagesspiegel. „Jetzt darf aber nichts mehr schief gehen, eine dritte Chance gibt es nicht.“

Aktionärsschützer begrüßten die Entscheidung, warnten aber zugleich vor übertriebenem Optimismus. „Die Senkung war notwendig, um den Börsengang überhaupt noch mit einem blauen Auge durchziehen zu können“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Auch von den Investoren kamen positive Signale: „Mit der neuen Spanne bleibt die Aktie weiter interessant“, sagte Fondsmanagerin Pia Hellbach von Union Investment dem Tagesspiegel.

Über die Ursachen des verpatzten ersten Versuchs wurde am Donnerstag noch heftig diskutiert. Viele Beobachter sahen eine Teilschuld bei den Banken, die den Börsengang begleiten. Die Commerzbank und die US-Investmentbank Morgan Stanley hätten sich als führende Konsortialbanken offenbar von den Altgesellschaftern zu hohe Preisvorstellungen aufdrücken lassen, hieß es in Frankfurter Finanzkreisen. Hintergrund ist das derzeitige Gerangel zwischen deutschen und ausländischen Banken um den Zuschlag für die Betreuung von Börsengängen.

Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, die Banken hätten möglicherweise nicht ausreichend beachtet, dass Air Berlin keine Volksaktie sei, sondern ein spekulatives Papier.

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