Wirtschaft : Den Osten im Tank

Total gibt einer Berliner Tankstelle den DDR-Namen Minol, um das Markenrecht zu behalten – und macht eine Show daraus

Volker Eckert

Berlin. Berlin hat am Mittwoch die Wiederauferstehung einer alten Ostmarke erlebt. An der Allee der Kosmonauten in Marzahn können Autofahrer jetzt wieder bei Minol tanken – fünf Jahre, nachdem die letzte Zapfsäule der ehemaligen VEB Minol aus Berlin verschwunden war, hat die Total GmbH sich zu der Rückbenennung entschieden und eine Tankstelle wieder mit der traditionellen violetten Optik und gelber Schrift versehen. Sie begründet den Schritt allerdings nicht mit Marketingüberlegungen, sondern den Zwängen des Namensrechts.

Minol war im Jahr 1992 vom französischen Konzern Elf Aquitaine aufgekauft worden. Der wiederum fusionierte acht Jahre darauf mit den Konkurrenten Total und Fina zur Total-Gruppe. Da war die Umbenennung der ehemaligen Minolstationen so gut wie abgeschlossen. Doch so wenig Wert Total auf die alte Ostmarke legte, so wenig will sie den Namenszug an den Tankstellen der Konkurrenz prangen sehen. Denn laut Total-Tankstellendirektor Dirk Schneemann hätte das Unternehmen die Markenrechte (siehe Lexikon, Seite 16) am Namen Minol im kommenden Jahr verloren, wenn er nicht wieder an den Zapfsäulen aufgetaucht wäre. Daher also nun die Rückbenennung, die an drei Standorten in Ostdeutschland geplant ist, einer davon in Berlin.

Die anderen rund 40 Total-Tankstellen in Berlin werden ihren jetzigen Namen auch in Zukunft behalten. „Eine Strategie mit zwei Marken werden wir nicht fahren. Der Marketingaufwand ist zu hoch“, sagte Dirk Schneeball. Dass die Wahl für die einzige Berliner Minolstation ausgerechnet auf die Allee der Kosmonauten gefallen ist, passt aber: Die vierspurige Trasse, die durch Marzahner Plattenbauten führt, sieht noch sehr nach alter DDR aus.

Bei der offiziellen Eröffnung von Minol machte Total aus der Not eine Tugend: Das alte Emblem, der Minol-Pirol in den Firmenfarben aus der Vorwendezeit Rot und Gelb, wurde wieder zum Leben erweckt, die Kunden locken auf dem Weg zur Kasse Rotkäppchen-Sekt, Tassen mit Ost-Ampelmännchen, Dresdner Russisch Brot und Vita-Cola.

Bei den meisten Kunden kam die neue alte Erscheinung der Tankstelle gut an. Dass am ersten Tag viel Betrieb herrschte, dafür hatte Total gesorgt, indem es für mehrere Stunden fünf Euro Rabatt auf jede Tankfüllung gewährte. Klaus Mix aus Marzahn stand als Erster in der Schlange und sagte: „Wir hatten ja nicht nur Schlechtes im Osten. Aber Vieles ist nach der Wende kaputtgeredet worden.“ Mix und seine Frau fahren im Jahr 30 000 Kilometer mit dem Wagen, die momentanen Benzinpreise finden sie überhaupt nicht gut.

Auch rund 30 Trabifahrer sind an die Allee der Kosmonauten gekommen. Die können das 1:50-Gemisch aus Öl und Benzin gleich an der Säule tanken und müssen nicht wie sonst selber mischen. Das nutzte auch Michael Kaiser, der zweite Vorsitzende des Trabant-Clubs Berlin, der auf der ärmellosen Jeansjacke DDR-Fahne und Ampelmännchen als Anstecker trägt. Bei der Frage nach der Zahl der Trabbis in Berlin verdunkelt sich Kaisers Miene: „Nach der letzten Statistik sind es noch ungefähr 1500 – das war ein bisschen ernüchternd.“

Uwe Büttner, seit 1996 Leiter der Tankstelle, trägt seit Mittwoch einen violetten Pullover mit V-Ausschnitt und violetter Krawatte darunter. Dass der neue Name ihm mehr Umsatz bescheren wird, daran mag er nicht so recht glauben: „Die Leute gucken nicht nach der Marke, sondern nach dem Preis.“ Und der wird bei Minol auch nicht anders sein als bei Total.

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