Wirtschaft : Den Putsch sollten die Rentner abblasen

Maren Peters

Die Reaktionen auf den angedrohten Aufstand der Rentner gegen die Reformpläne der Bundesregierung zeigen vor allem eins: Die Politik muss die Rentner entweder ganz schnell von der Notwendigkeit der Reformen überzeugen – was kaum gelingen dürfte – oder ganz schnell handeln. Denn der Hinweis, dass die Rentner im demokratischen Deutschland schon ganz bald in der Mehrheit sein werden, zeigt: Wer jetzt nicht handelt, hat bald überhaupt keine Chance mehr, die Sparmaßnahmen in den Sozialsystemen durchzusetzen.

Deutschland vergreist. Während heute 100 Menschen im Erwerbsalter 44 Personen im Rentenalter gegenüberstehen, werden es 2050 voraussichtlich 78 sein. Allein diese Zahlen zeigen, wie dringend Reformen sind. Und sie zeigen auch, dass heutige und künftige Rentner gut beraten sind, eine bezahlbare Rentenpolitik mitzugestalten, anstatt sie zu verhindern.

Dabei hat der Sozialverband VdK, der die zwei Millionen Rentner gerade zum Aufstand gegen die Kürzungspläne der Bundesregierung aufgerufen hat, in der Sache vermutlich sogar recht: Wahrscheinlich sind die Rentenbescheide, die jetzt verschickt werden, tatsächlich rechtswidrig. Doch ob die deutlich schmaler als erwartet ausfallende Rentenerhöhung den geplanten Aufstand rechtfertigt, ist mehr als zweifelhaft. Denn der Einschnitt ist in einer Zeit, in der von den Erwerbstätigen erwartet wird, dass sie auch privat mehr für ihre eigene Altersvorsorge sparen, zwar bitter, aber ohne Zweifel zumutbar. Es ist falsch und kurzsichtig, die Rentner jetzt in einen Konflikt mit den Jungen zu treiben. Sie sind es nämlich, die das Solidarsystem am Leben erhalten.

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