Wirtschaft : Den Riesen ärgern

SCHLESWIG (val).Er hat wieder gewonnen.Einmal mehr kann Gerhard Schmid mit Siegerzahlen auftrumpfen.Der Rebell aus dem Norden: Über ihn lächelt keiner mehr.Selbst seine Feinde sind jetzt überzeugt, daß der Chef und Gründer der Mobilcom, der zweitgrößten deutschen Telefongesellschaft, mehr als ein Händchen für Handys hat.Ein Mann, dem es gelang, binnen acht Jahren aus dem Nichts ein Unternehmen mit Milliardenumsätzen zu schaffen - in einem Umfeld, in dem andere Telefon-Pioniere nicht überlebten.

Im Kampf auf dem Telefonmarkt haben dem heute 46jährigen Schmid drei Eigenschaften genützt: Er ist flexibel, er ist schnell und er ist ein Schlitzohr.Wie ein guter Hockey-Spieler, und das ist Schmid auch gewesen, als er noch Zeit für Sport hatte.Heute arbeitet der bayerische Mauerersohn ununterbrochen, auch am Sonntag.Als Student der Betriebswirtschaftslehre hingegen verbrachte Schmid seine Freizeit auf dem Hockey-Feld.Klar, daß der Mann auch damit Geld verdient hat.Als Hockey-Halb-Profi hat sich Schmid sein Studium finanziert.

Seine Flexiblität sei ungewöhnlich für einen deutschen Unternehmer, kommentierte einmal die Financial Times den ungewöhnlichen Aufstieg Schmids.Denn sein Weg durch die Führungsetagen der deutschen Wirtschaft begann in der betulichen Porzellanfabrik Hutschenreuther.Später arbeitete Schmid für das Ostseebad Damp und schließlich schaffte er - noch wäh- rend seiner Zeit als Vertriebsmanager des Autovermieters Sixt -den Sprung in die Selbständigkeit.

Die Preispolitik und die ungewöhnlichen Marketingmethoden hat er seinem damaligen Chef, Ernst Sixt, abgeschaut.Noch heute ist für Schmid ist der Preis das wichtigste.Statt seine Kunden mit komplizier- ten Tarifangeboten zu verwirren, setzt er auf einen Standardtarif von 19 Pfennig, passend zur Netzvorwahl, die 01019 lautet.

So ist es dem Mann mit dem flachsblonden Haar gelungen, seinen Mobilfunk-Aldi auch gegen den Riesen Telekom erfolgreich zu Felde zu führen, der zunehmend entnervt auf Schmid reagiert.Mit der Telekom ist Schmid nicht gerade zimperlich umgegangen.Längst sind die Anzeigen- und Gerichtsfehden der beiden Telefongesellschaften berühmt.Zum Beispiel die Kampagne, in der die Mobilcom auf Kosten der Telekom Werbung machte: Sie pries ihre eigene Nummer als "die günstigste Vorwahl für Telekom-Kunden" - in der Optik des großen Konkurrenten.Die Telekom konterte mit einem Fernsehspot des Schauspielers Manfred Krug, der vor der "Mogelcom" warnte.Und es dauerte nicht lange, da warben Schmid und sein Team mit den Telefonrechnungen eines anderen, zu Recht völlig unbekannten Manfred Krug, der ihre Gesellschaft zum Telefonieren einfach besser fand.Die Gerichtsverhandlungen bescherten der Mobilcom immer neue Publicity.Dafür ist die Mobilcom, die als erstes deutsches Unternehmen im Jahre 1993 an den Neuen Markt ging, ein Lieblingskind der Börsianer.Mehrheitsaktionär ist natürlich Schmid, "an dem sowieso alles hängt", wie Michael Schatzschneider von der BHF-Bank versichert: Die Zukunft des Unternehmens wie der Glaube der Banker an seine Kreditwürdigkeit.Eine Garantie haben die Banker jedenfalls: Daß Schmid von seiner Idee "besessen" ist, hat ihm schon sein Ex-Chef Ernst Sixt bescheinigt.

Dem Mann, den das US-Magazin Forbes zu den großen Milliardären Europas zählt, ist Geld für den eigenen Genuß nichts wert: Wenn er reist, wohnt er in kargen Airport-Hotels, einen Chauffeur hat er auch nicht.

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