Wirtschaft : Den Risiken auf der Spur

pk/HB

Der starre Blick auf scheinbar unendliche Kursgewinne wurde vielen Anlegern im Internetboom zum Verhängnis. Hätten sie sich dagegen auch an Risikokennziffern orientiert, wären manche noch mit einem blauen Auge davongekommen. Dabei weiß man spätestens seit der Portfolio-Auswahltheorie des Nobelpreisträgers Harry Markowitz aus dem Jahr 1952, dass die Aufteilung von Vermögenswerten auf verschiedene Anlagen das Risiko verringert. Allerdings hat auch die Verteilung von Risiken ihre Tücken, denn oft streuen die Privatanleger zwar ihr Geld beispielsweise auf Aktien und Fonds. Doch das Gesamtrisiko des Depots ändert sich nur minimal, wenn etwa in einem Fonds für Standardwerte sehr viele Ölaktien auftauchen, obwohl das Portfolio sowieso schon übergewichtet ist in Energietiteln.

Bisher hörte sich der optimale Depotmix gut an, war aber schwer umzusetzen. Erst mit neuen "Internet-Werkzeugen" hat sich das geändert. Eine Vorreiterrolle spielen dabei die Direktbanken und auch die Anbieter von Börsensoftware. So kann man beispielsweise mit dem "Depotmanager" von Consors die Risikostruktur der Aktien, Renten und Fonds analysieren und danach eine Optimierung durchführen. Dabei werden konkrete Empfehlungen gegeben. Martin Kläver von Consors spricht von einer "äußerst positiven Resonanz" auf das erst wenige Monate im Einsatz befindliche Web-Tool. Einziger Schönheitsfehler: Nur Kunden haben Zugriff, der Rest muss sich mit einer "Demo-Version" begnügen. Allerdings bietet sich eine Alternative an, denn Consors hat die Analyse von der RiskMetrics Group übernommen, die das aus der Betreuung institutioneller Kunden entstandene Konzept unter www.riskmetrics.com in den Grundzügen kostenlos zur Verfügung stellt. RiskMetrics ordnet jedem Wertpapier einen Riskograd zu. So kann der Anleger herausfinden, um wie viele Risikograde sein Depot von einem Index oder anderen Depots abweicht.

An ihre Grenzen stößt die Risikoanalyse, wenn auch Sachwerte oder "Alternative Assets" einbezogen werden. "Alles, was nicht standardisiert handelbar ist, eignet sich weniger gut für die Risikokontrolle", erklärt Peter Lill, Geschäftsführer der Microplan GmbH. Und natürlich bleibt die "Erstzusammenstellung" des Depots entscheidend für den künftigen Erfolg. "Wer fünf Versager im Depot hat, der bekommt auch nur die optimiert", warnt ein Fondsstratege.

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