Wirtschaft : Denkmalschützer zahlen weniger Der Staat unterstützt die Sanierung von historischen Gebäuden

Maurice Shahd

Berlin. Im Bauwesen sind die staatlichen Zuschüsse besonders üppig und, wie die Eigenheimzulage, daher ständig im Visier der Subventionsgegner. Eine Förderung, die Experten sinnvoll finden, sind die höheren Abschreibungen für die Sanierung von Baudenkmalen. Wer ein denkmalgeschütztes Haus modernisieren will, kann zehn Prozent seiner Sanierungskosten steuerlich geltend machen, und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren. Das gleiche gilt für Gebäude, die in Sanierungsgebieten und städtebaulichen Entwicklungsbereichen liegen. Voraussetzung: Das Haus oder die Wohnung wird nach der Sanierung selbst genutzt. Mit der Förderung verzichtete der Staat 2002 auf Steuereinnahmen von rund 60 Millionen Euro.

Ziel der Zuschüsse ist laut Subventionsbericht der Bundesregierung die „Erhaltung und sinnvolle Nutzung kulturhistorisch wertvoller Gebäude“. Dazu zählen beispielsweise alte Fachwerkhäuser, Gutshöfe oder Speicher. Nach Ansicht von Bauexperten macht die Förderung vor allem bei denkmalgeschützten Gebäuden Sinn, weil sie keine einzelne Gruppe bevorzugt, sondern einen Nachteil ausgleicht. Der Nachteil sind die im Vergleich zu normalen Bauten deutlich höheren Sanierungskosten für denkmalgeschützte Gebäude; schließlich muss der Bauherr viele Vorgaben beachten, damit das Baudenkmal in seiner ursprünglichen Form erhalten bleibt. So darf er nur geringe bauliche Veränderungen vornehmen und nur bestimmte Materialien verwenden. „Der Staat entscheidet darüber, ob ein Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird, und dessen behutsame Sanierung kommt der Allgemeinheit zugute“, sagt Michael Neitzel, Geschäftsführer des Instituts für Wohnungswesen und Immobilienwirtschaft (Inwis). „Dafür sollten die Eigentümer nicht bestraft werden.“ Allerdings sei die Subvention verfehlt, wenn Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden, die keiner braucht.

Subventionsland Deutschland – in dieser Serie berichtet der Tagesspiegel über die milliardenschweren finanziellen Wohltaten des Staates für Bürger und Wirtschaft. Morgen: Steuerbefreiung für Bausparkassen

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