Wirtschaft : Depfa-Bank: Die Teilung ist noch nicht eingepreist

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"Wert durch Scheidung". Diese Überschrift haben die Analysten von Merrill Lynch ihrem DepfaReport gegeben, mit dem sie Ende Mai die Beobachtung der Aktie gestartet haben. Ihr Urteil: "Kaufen". Die bevorstehende Teilung der Bank in eine Staatsfinanzierungs- und eine Immobilienfinanzierungsbank mache die Aktie interessant, noch seien die Ertragspotenziale im Kurs nicht eingepreist - so sehen auch viele andere Analysten die Aktie. Morgen findet in Wiesbaden die Hauptversammlung statt. Die Fortschritte bei der Umsetzung der Teilungspläne werden das beherrschende Thema sein. Mit der im vergangenen Herbst beschlossenen Spaltung gehen die Wiesbadener Banker den bislang radikalsten Schritt in der Branche, die sich derzeit stark verändert.

Die Transparenz steigt, die Restrukturierung kann die Effizienz erhöhen und Ertragspotenziale schaffen - das sehen Analysten als Vorteile der Spaltung. Gesellschaftsrechtlich wird die Teilung Mitte 2002 umgesetzt. Nur so kann die Möglichkeit genutzt werden, Beteiligungen steuerfrei zu veräußern. Dann soll auch die Trennung in zwei verschiedene Aktien erfolgen. Am 15. Oktober entscheiden die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Strategie.

Die Aktie profitiert noch nicht von der Teilungsfantasie. Vielmehr richtete sich der Blick der Investoren bislang auf die Aufräumarbeiten, die vor dem Neustart notwendig sind. So brach Ende November nach Ankündigung der Spaltungspläne der Kurs ein, weil die Depfa zugleich eine Sonder-Abschreibung auf den Immobilien-Bestand bekannt gab. Seitdem pendelt die Aktie zwischen 60 und 70 Euro. Inzwischen scheint der Markt immerhin nicht mehr mit negativen Überraschungen zu rechnen. "Konstruktiv, aber nicht aufregend", so beschreibt John Leonard, Analyst bei der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney, die Stimmung nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse. Das operative Geschäft der Bank liege auf der Linie der Erwartungen. Die Bank hält einen Jahresüberschuss von 280 Millionen Euro vor Anteilen Dritter für 2001 für "gut erreichbar".

Analysten empfehlen Kauf

Laut Bloomberg haben 14 von 20 befragten Analysten die Aktien auf "Kaufen" gestellt, drei auf "Halten" und ebenfalls drei auf "Verkaufen". Leonard, der nach den Quartalsergebnissen im Mai sein Urteil "Kaufen" bestätigt hat, sieht für die Aktie ein Kursziel von 90 Euro auf Sicht der nächsten zwölf Monate. Die Depfa komme bei Formulierung ihrer Strategien für die geteilte Bank gut voran, sagt er. Allerdings stünden dem Management noch schwierige Diskussionen, vor allem auch mit den Mitarbeitern bevor. Brisante Themen sind nach Ansicht von Leonard sowohl die Restrukturierung als auch die notwendigen Änderungen der Mitarbeiterstruktur und -qualifikation. Konflikte seien dabei zu erwarten.

Den Aktionären werde die Spaltung ermöglichen, die Perspektiven der Geschäftsfelder klarer einschätzen zu können, glaubt Leonard. Seiner Ansicht nach wird die Aktie der Staatsfinanzierungsbank vor allem wachstumsorientierte Investoren mit geringerer Risikobereitschaft ansprechen. Die Aktie der Immobilienfinanzierungsbank werde in erster Linie Substanz-orientierte Anleger ansprechen, die auf eine Erholung des deutschen Immobilienmarktes setzen.

Im ersten Quartal 2001 wurde in der Staatsfinanzierung ein Jahresüberschuss vor Steuern von 72 Millionen Euro erzielt, in der Immobilienbank waren es 37 Millionen Euro. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern lag in der Staatsfinanzierung bei 34,2 Prozent, in der Immobilienbank bei 14,8 Prozent. Adrian Pilz und Nicci Rijkenberg von Merrill Lynch nennen drei wesentliche Pluspunkte der Depfa: Die aktuelle Bewertung sei attraktiv, die Spaltung eröffne bessere operative und strategische Optionen und die Vorstandssprecher der Bank, Gerhard Bruckermann und Karl-Heinz Glauner, seien ein dynamisches Team. Auf Sicht der nächsten zwölf Monate sehen die Merrill-LynchAnalysten ein Kursziel von 95 Euro und geben sich damit sehr optimistisch.

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