Wirtschaft : „Der Abstand zum Bund schrumpft“

Weil Berlin sehr stark von Dienstleistungen lebt, läuft es derzeit gut / Von Christian Dreger

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In Deutschland ist nunmehr seit drei Jahren ein konjunktureller Aufschwung zu verzeichnen. Auch die weiteren Wachstumsaussichten sind insgesamt positiv. Zwar dürfte es nicht so stark weitergehen wie im ersten Quartal 2008. Denn die Aussichten werden durch die nach wie vor hohe Inflation bei den Lebensmittel- und Energiepreisen gedämpft, die erst im Laufe des zweiten Halbjahres zurückgehen wird. Auch sind die preistreibenden Effekte noch nicht in allen Bereichen vollständig überwälzt. So werden zum Beispiel die Gaspreise erst mit Verzögerung an die höheren Ölpreise angepasst.

Dennoch dürfte Berlin in diesem und im kommenden Jahr vom Aufschwung in Deutschland überproportional profitieren, so dass der Wachstumsabstand zum Bundesgebiet wieder verringert werden kann. Dies ist auf die Binnenkonjunktur der Hauptstadt zurückzuführen, die zunehmend zum Motor der wirtschaftlichen Entwicklung wird. Dabei kommt Berlin der hohe Dienstleistungsanteil von 75 Prozent an der Bruttowertschöpfung zugute. Entsprechend prognostiziert der Tagesspiegel-Indikator, den das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) regelmäßig exklusiv für diese Zeitung erstellt, ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Berlin von 1,3 Prozent in 2008 und 1,0 Prozent in 2009. Die weitere Entwicklung ab der zweiten Jahreshälfte wird vor allem von der allmählichen Erholung des Konsums der privaten Haushalte getragen. Auslöser dafür ist die auch in Berlin deutlich zurückgegangene Arbeitslosigkeit. Außerdem sollten ab diesem Jahr wieder Lohnzuwächse realisiert werden, die im Schnitt etwas über die Inflationsrate hinausgehen.

Die übrigen Berlin-spezifischen Faktoren im Tagesspiegel-Indikator weisen darauf hin, dass der Aufschwung auf einer breiten Grundlage steht. Dies gilt insbesondere für die Bereiche Tourismus und Verkehr. Dagegen ist die Stimmung im Einzelhandel bisher gedrückt. Dazu haben die Anhebung der Mehrwertsteuer im vergangenen Jahr und die Preissteigerungen im Energie- und Lebensmittelbereich beigetragen. Es ist aber damit zu rechnen, dass die expansiven Kräfte in den nächsten Monaten die Oberhand gewinnen.

Der Autor leitet die Abteilung Konjunktur des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

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