Der ADAC zieht Bilanz : Neue Bescheidenheit

Die „Gelben Engel“ vom ADAC stecken tief in der Krise. Nun will sich der Autoclub ehrlich machen.

von
ADAC-Interimspräsident August Markl muss den Automobilklub neu aufstellen.
ADAC-Interimspräsident August Markl muss den Automobilklub neu aufstellen.Foto: Reuters

„Wir stecken mitten in einem tiefgreifenden Reformprozess" – Sätze wie diese hat ADAC-Interimspräsident August Markl zuletzt häufig gesagt. So auch am Montag bei der Bilanzpressekonferenz des Automobilclubs. Die für den ADAC guten Zahlen aus dem Jahr 2013 interessierten allerdings niemanden, denn erst im Januar 2014 war der Club mit den Manipulationen rund um den Autopreis „Gelber Engel“ in eine tiefe Krise gestürzt.

Wie sich der größte deutsche Verein in Zukunft „modern und transparent“ (Markl) aufstellen möchte, ist immerhin in Teilen sichtbar. So werden derzeit 360 Produkte, die der ADAC vertreibt, dahingehend überprüft, ob eine Interessenkollision mit Tests des Vereins besteht. Als Erstes hat der ADAC daher seine eigenen Auto-Kindersitze aus den Shops genommen, weil der Verein selbst Kindersitze prüft. Diese Tests seien Teil der Kernaufgaben, sagte Markl, und müssten „frei von Wirtschaftsinteressen sein“.

"Hilfe, Schutz und Rat" sollen wieder im Vordergrund stehen

Insgesamt präsentiert sich die Führungsriege mit neuer Bescheidenheit. Man wolle wieder die „Kernleistungen“ in den Vordergrund stellen, die da lauten: „Hilfe, Schutz und Rat“. Zudem gehe es um ein „effektives Kontrollsystem“. Markl verabschiedet sich vom Wachstumsdenken: Das Ziel von 20 Millionen Mitgliedern bis 2020 „ist gestrichen“, befand er. Immerhin kann der Verein seine Mitgliederzahl bei 18,9 Millionen halten – auch wenn es bisher 320 000 Austritte infolge der Affäre gegeben hat.

Es gibt keine Gaue mehr

Weiter kündigte der Verein an, er wolle auf „aggressive Mitgliederwerbung“ verzichten. Passend zu den Transparenzbemühungen gab der ADAC Einblicke in seine verschachtelte Struktur. So existieren neben dem Hauptverein 44 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie 18 Regionalclubs überall in Deutschland (die nun nicht mehr „Gaue“ heißen). Alle Ableger seien rechtlich selbstständig und legten eigene Bilanzen vor. Am bedeutendsten sind dabei Versicherungen wie Auslands-Reiseschutz, der ADAC-Rechtsschutz und Finanzdienste. Diese Bereiche werden von Marion Ebentheuer geleitet, der ersten Frau in der Geschäftsführung seit Bestehen des 1903 gegründeten Vereins.

Das Vermögen des ADAC: 1,1 Milliarden Euro

Neu ist, dass die Aufsichtsräte der einzelnen Unternehmen nicht mehr aus dem ADAC selbst besetzt werden, etwa mit ehrenamtlichen Mitgliedern, sondern von externen Spezialisten. Über seine Reformergebnisse will der ADAC bei einer außerordentlichen Versammlung im Dezember beraten. Auch bei der Vorlage von Geschäftszahlen ging der Club in die Offensive. So bezifferte er sein Vermögen auf 1,1 Milliarden Euro. Das Geld sei als Polster nötig, erklärte Markl, für künftige Investitionen und um den Mitgliedern Beitragserhöhungen zu ersparen.

Es fehle immer noch an Transparenz, sagen Kritiker

Eine Großbaustelle, über die der ADAC derzeit wenig preisgibt, sind die 18 Regionalclubs. Sie erhalten 37 Prozent der Mitgliedsbeiträge und handeln autonom. Dort haben sich alte Strukturen gehalten, so leitet etwa der im Februar zum Rücktritt gezwungene einstige ADAC-Präsident Peter Meyer weiter den ADAC Nordrhein. Hier dürfte es in Zukunft noch zu einigen Zusammenstößen kommen. ADAC-Kenner sehen den Stand der Reformen skeptisch. Die versprochene Transparenz bleibe Fehlanzeige, sagte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Man spiele auf Zeit und lasse die Reform „versanden“.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben