Wirtschaft : Der Aktientipp: Der Gigant Cisco wackelt

Das abrupte Ende einer unglaublichen Erfolgsstory: Seit Jahren verwöhnt Internet-Ausrüster Cisco die Anleger mit traumhaften Wachstumsraten von 60, 70 Prozent. Statt viel Geld in die Forschung zu investieren, kaufte Ciscos Vorstandschef John Chambers in den neunziger Jahren mehr als 60 Unternehmen. Die Anleger glaubten an die Vision der schönen neuen Internet-Welt; private und institutionelle Investoren katapultierten den Kurs immer weiter nach oben. Im März 2000 war Cisco vorübergehend das teuerste Unternehmen der Welt - die Börsenbewertung kletterte auf atemberaubende 550 Milliarden Dollar. Doch der Lack des Vorzeigeunternehmens ist mit der Zeit verwittert. Seit Mitte Dezember hat der Wert an der Frankfurter Börse mehr als die Hälfte verloren. Auch die jüngsten Quartalszahlen konnten den Kurs nicht stützen. Cisco verkaufte Switches, Router und sonstige Internet-Technik für 6,75 Milliarden Dollar - ein Plus von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, aber deutlich niedriger als Analysten mit 7,13 Milliarden Dollar erwartet hatten; auch der Gewinn blieb mit 18 Cent je Aktie unter der Expertenschätzung von 19 Cent. CEO John Chambers macht sich selbst Mut: Cisco sei stark genug, um auch in einer Krise zu wachsen. Da aber niemand vorhersagen kann, wie lange das Weltwirtschaftswachstum tatsächlich schwächelt, sollten sich Anleger mit einem Engagement vorerst zurückhalten. Enge Stop-loss-Kurse (acht bis zehn Prozent unter dem Einstiegskurs) sind die beste Versicherung vor unliebsamen Überraschungen. Cisco, der Internet-Gigant, wackelt.

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