Wirtschaft : Der Aktientipp: Deutsche Bank in Zugzwang

Die Vermögensverwaltung und das Geschäft mit den Privatkunden stärken - so lautet seit Februar die neue Devise der Deutschen Bank. Genau wie mit dem dynamisch wachsenden Investmentbanking wolle er auch mit diesem Bereich an die Spitze vordringen, erklärte Vorstandssprecher Rolf E. Breuer vor einigen Monaten. Um dem Erfolg den Weg zu bahnen, verordnete er der Nummer eins der deutschen Großbanken eine neue Struktur und trennte Investmentbanking und Firmenkundengeschäft von den Geschäften rund um die Vermögensbildung und -verwaltung.

Mit der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das erste Quartal werden nun Stärken und Schwächen der neuen Strategie deutlich. Zwar übertrifft der unerwartet hohe Jahresüberschuss von über einer Milliarde Euro sogar das Ergebnis des vom Börsenfieber aufgeheizten ersten Quartals des Vorjahres. Dies verdankt Breuer einerseits der führenden Position im Investmentbanking, allerdings auch steuerlichen und bilanztechnischen Sondereffekten.

Wie alle anderen Finanzhäuser kann sich aber auch die Deutsche Bank nicht dem Einfluss der schwachen Börsen entziehen. Denn der neu geschaffene Bereich Vermögensverwaltung und Privatkunden verzeichnet einen deutlichen Gewinnrückgang, leidet unter dem Rückzug der privaten Kundschaft aus dem Wertpapiergeschäft. Nach der angekündigten Übernahme der Dresdner Bank durch den Versicherungskonzern Allianz ist Breuer in Zugzwang geraten.

Will er mit Vermögensverwaltung und Privatkundengeschäft an die Spitze gelangen, muss er dem neuen Allfinanzkonzern aus München Paroli bieten. Marktteilnehmer warten gespannt auf eine Reaktion - und entdecken die Commerzbank als möglichen Übernahmekandidaten. Ebenso wie die Deutsche Bank verfolgt auch die kleinste der deutschen Großbanken das Ziel, Vermögensverwaltung und Privatkundengeschäft stärken zu wollen.

Breuers Hauptproblem jedoch wäre mit einer Übernahme der Commerzbank nicht gelöst. Denn um den Anschluss an die Konkurrenz aus dem europäischen Ausland nicht zu verpassen, muss er Kosten senken und die Eigenkapitalrendite des Konzerns erhöhen. An diesen Kriterien wird auch die Aktie des Frankfurter Branchenprimus gemessen.

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