Wirtschaft : Der Aktientipp: Dürr profitiert von der Globalisierung

Öffentlichkeit und Börsianer haben das Maschinenbau-Unternehmen Dürr aus den unteren Reihen des M-Dax endlich entdeckt. Zu 50 Prozent ist das Unternehmen immer noch unter der Kontrolle des ehemaligen Bahn-Chefs Heinz Dürr und seiner Familie. Zwar liegt der Kurs der Dürr-Aktie noch unter der Erstnotierung aus dem Jahr 1990; seit Oktober ist jedoch ein deutlicher Aufwärtstrend auszumachen. Das liegt nicht allein am Comeback der Substanzwerte und der wachsenden Orientierung am Shareholder Value. Vorstandsvorsitzender Hans Dieter Pötsch hat den schwäbischen Mittelständler erfolgreich vom Lackieranlagen-Hersteller zum weltweit operierenden Fertigungsspezialisten für die Automobilindustrie umgebaut und profitiert so von Strukturwandel und Globalisierung. Denn wie bei der Beschaffung von Fahrzeugkomponenten reduzieren die verbliebenen Autokonzerne auch die Anzahl der Lieferanten von Produktionsanlagen und überlassen ihnen immer größere Anteile an der Fertigung. An Dürr führt sie dabei kaum ein Weg vorbei.

Im Ur-Geschäftsfeld Lackiersysteme (Umsatzanteil 2000 rund 49 Prozent) hält der Konzern einen Weltmarktanteil von über 30 Prozent - und verzahnt es immer stärker mit den Sparten "Automotion" (Logistikkonzepte für die Fahrzeugendmontage), "Ecoclean" und "Environmental" (Reinigungstechnik für Teile und Schmiermittel, Abluft und Abwasser) und "Services". Um seinen Anteil an der Wertschöpfungskette der Automobilproduktion auszudehnen, hat Pötsch seit 1999 zugekauft: einen Produktionsdienstleister in den USA, eine Lackier-Sparte von Alstom, eine Japan-Lizenz für das RoDip-Lackierverfahren von ABB (mit rund 250 Millionen Euro Kaufpreis der größte Brocken), die Carl Schenck AG, einen renditestarken Spezialisten für Automatisierungs- und Prüftechnik. Anders als einigen der eigenen Kunden scheint Dürr der Einkaufsbummel wohl bekommen zu sein: von Integrationsproblemen keine Spur.

Mit einem Plus von 67 Prozent überschritt der Konzernumsatz bereits im Jahr 2000 die Zwei-Milliarden-Euro-Schwelle, die Pötsch ursprünglich für 2002 avisiert hatte. Die operative Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg von 5,3 auf 5,9 Prozent oder - nach Firmenwertabschreibungen - von 3,4 auf 3,6 Prozent. Deutlich steigen muss sie jedoch auch in Zukunft, wenn Pötsch den eigenen Zielwert von fünf Prozent Rendite vor Steuern (heute 2,3 Prozent) in absehbarer Zeit erreichen will. Denn die Fremdfinanzierung der Zukäufe treibt den Zinsaufwand noch für Jahre in die Höhe.

Pötsch denkt vorerst nicht an weitere große Neuerwerbungen: "Wir haben die strategischen Voraussetzungen geschaffen für jährlich zweistelliges Wachstum von Umsatz und Ertrag. Der Fokus liegt jetzt darauf, die Potenziale zu heben."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben