Wirtschaft : Der Aktientipp: Konjunktureinbruch wird Henkel treffen

Am 10. März 2000 tobten noch die Bullen an den Weltbörsen. Die New Economy war auf dem Höhepunkt ihres Hypes angelangt. Old Economy war out. Bitter zu spüren bekam dies auch die Düsseldorfer Henkel, die mit ihren bekannten Marken wie Persil, Pritt, Fa und Schwarzkopf in keinem Haushalt fehlt: die Aktie notierte damals mit 44,40 Euro auf einem langjährigen Tief. Wer zugriff, hat bis heute mit der Aktie einen Kursgewinn von rund 50 Prozent eingestrichen.

Konzernlenker Ulrich Lehner, der im Mai vergangenen Jahres vom Finanzchef zum Vorsitzenden der Geschäftsführung avancierte, kann zwar einerseits auf ein Rekordjahr 2000 verweisen. Die Umsätze stiegen gegenüber dem Vorjahr um 12,5 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss gar um 25 Prozent auf 505 Millionen Euro. Auf der anderen Seite sieht er sich aber gerade im Jubiläumsjahr 2001 einer Reihe von Problemen gegenüber, die es ihm sehr schwer machen, an die guten Zahlen des vergangenen Jahres anzuknüpfen.

So macht Henkel mit den ertragsstarken Geschäftsbereichen Klebstoffe und Hygiene- und Oberflächentechnik insbesondere in den USA gute Geschäfte. Der konjunkturelle Einbruch in den Staaten wird Henkel hier treffen. Auch die Finanzkrise in der Türkei und höhere Rohstoffpreise werden ihre Spuren in der Bilanz 2001 hinterlassen.

Als Wachstumsbeschränkung erweist sich die Rechtsform der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Und an der hält die Eigentümerfamilie Henkel weiter fest. Als Mehrheitsaktionär hält die Familie nach Schätzungen zwischen 70 und 75 Prozent der Stammaktien. Das macht rasches Handeln bei großen Akquisitionen schwierig, da die Finanzierung nicht unbegrenzt über die Ausgabe neuer Aktien vorgenommen werden kann. Auf Übernahmen ist Henkel aber angewiesen, um zumindest im Kosmetikgeschäft in internationale Dimensionen hineinzuwachsen.

Auch dem vierten Henkel-Geschäftsbereich, den Waschmitteln, würden Zukäufe gut tun. Nur in Europa hält Henkel hier die Spitzenposition, in den USA läuft fast gar nichts. Wenn am 26. September in Düsseldorf die Champagnerkorken knallen und Henkel sein 125-jähriges Jubiläum feiert, wird die Börse bereits ein klareres Bild davon haben, ob es die richtigen waren und auch auf das Geschäftsjahr 2001 angestoßen werden kann, oder ob die Anleger zu Selters greifen müssen.

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