Wirtschaft : Der alte Wagen muss weiter rollen Die Deutschen scheuen vor

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Es geht einfach nicht voran auf dem deutschen Automarkt. Das dritte Jahr in Folge klagen die Autohersteller über die schwache Nachfrage, der berühmte Autofrühling, der erfahrungsgemäß im April/Mai die Händler erfreut, wird in diesem Jahr erst im Herbst erwartet. „Wir warten noch“, sagen sich viele potenzielle Autokäufer. Und der Sprecher des Kraftfahrzeuggewerbes hat eine äußerst schlechte Stimmung im Lande ausgemacht. „So mies war es eigentlich noch nie“, sagt Helmut Blümer. Aber woran liegt das? Blümer spricht vom „subjektiven Teuro-Empfinden“, von „vielen Enttäuschungen“ und der bevorstehenden Wahl, die die Konsumenten verunsichere. Das Geld, so vermutet der Sprecher des Kfz-Gewerbes, könne ja nicht verschwunden sein, die Leute hielten sich aber die Taschen zu.

Rund 3,2 Millionen Autos werden vermutlich in Deutschland in diesem Jahr neu zugelassen. Das ist nicht viel, denn der jährliche Ersatzbedarf wird schon mit drei Millionen Autos veranschlagt. Vor ein paar Tagen seufzte der Präsident der Autoindustrie bei der Vorlage der Juni-Zahlen, „der Abwärtstrend des 1. Halbjahres wurde zumindest gestoppt“. 1,694 Millionen Pkw wurden in den ersten sechs Monaten in Deutschland neu zugelassen, das waren vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Juni gab es immerhin ein leichtes Plus von zwei Prozent gegenüber dem Juni 2001 - das lässt die Branche auf die kommenden Monate hoffen. Wenngleich Gottschalk feststellen muss, dass „uns noch der richtige Wind in den Segeln fehlt“.

Die Ursachen für die Konsumflaute liegen für den Autopräsidenten in der „labilen Gesamtwirtschaft und den Belastungen des Autofahrers“ – gemeint ist vor allem die Ökosteuer. Aber auch der Wahlkampf und Ereignisse wie die Flugzeugkatastrophe am Bodensee belasteten die Verbraucher und führten zu Konsumverzicht, mutmaßt Gottschalk. Wirtschaft ist eben vor allem Psychologie. alf

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