Wirtschaft : Der angeschlagene Musical-Konzern hat den angekündigten neuen Eigentümer noch nicht gefunden

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Die Zukunft des in finanzielle Schieflage geratenen Musicalunternehmens Stella bleibt weiter ungewiss. Ein neuer Eigentümer, der bis Ende Januar gefunden werden sollte, ist nicht in Sicht. Schwieriger als erwartet gestaltet sich offenbar die Suche nach einem Investor, der den Spielbetrieb der Musicaltheater weiterführen kann, ohne von der Last ausstehender Gehälter, Mietzahlungen in Millionenhöhe und hoher laufender Kosten erdrückt zu werden.

Stella hatte am 26. November 1999 Insolvenzantrag gestellt, nachdem Verluste von über 100 Millionen Mark aufgelaufen waren. Nach den Plänen von Vorstandschef Hemjö Klein sollte Stella einem Investor "zu 100 Prozent und ohne Altlasten" übergeben werde. Die Anfang dieser Woche genannten Interessenten - der niederländische Unternehmer Joop van den Ende mit seiner Firma Stage-Holding und die Berliner Deag Deutsche Entertainment AG - dementierten inzwischen, den Musical-Konzern übernehmen zu wollen.

Ein Stella-Sprecher sagte am Dienstag dem Tagesspiegel, die Gespräche mit möglichen Käufern lägen im Zeitplan und würden "sehr bald" zum Abschluss gebracht. Stella stehe aber nicht unter Zeitdruck. Ob es sich bei den Verhandlungspartnern um van den Ende oder die Deag handele, sagte er nicht. "Das ist reine Spekulation, die wir nicht kommentieren." An der Zahl ernstzunehmender Interessenten habe sich nichts geändert. Klein hatte im Januar von zwei potenziellen Investoren gesprochen. Die Drei-Monats-Frist im vorläufigen Insolvenzverfahren läuft am 26. Februar ab. Bis dahin muss Insolvenzverwalter Jan Wilhelm eine tragbare Lösung für Stella präsentieren.

Wenda Buining, Sprecherin der niederländischen Entertainmentfirma Stage-Holding, widersprach am Dienstag der Darstellung, das Unternehmen habe den Zuschlag für Stella bereits bekommen. "Wir sind im Gespräch mit Stella, aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte Buining dem Tagesspiegel. Als große Entertainmentfirma sehe sich die Stage-Holding laufend auf dem "kleinen Markt" in Europa um. "Da ist es immer interessant, miteinander zu sprechen." Ob die Holländer mit Stella bis zum 26. Februar handelseinig werden, ließ Buining offen. Joop van den Endes Unternehmen, das vor einem Jahr aus der Endemol-Gruppe, herausgelöst wurde, präsentierte in den Niederlanden Musicals wie "Miss Saigon" und geht mit der Show "Holiday on Ice" regelmäßig auf Europa-Tour.

Deag-Chef Peter Schwenkow, der vor Jahren eng mit dem ehemaligen Stella-Eigentümer Rolf Deyhle zusammenarbeitete, hat stets betont, das Musical-Unternehmen nicht komplett übernehmen zu wollen. "Wir haben kein Interesse, die Stella AG zu kaufen", bekräftigte am Dienstag Deag-Sprecher Martin Fabel. Branchenkreisen zufolge ist die Deag aber an Teilen der Stella AG durchaus interessiert. So würden sich Synergieen etwa beim Catering oder im Spielstätten-Management ergeben. Dem Vernehmen nach hatten sich Deag und Stella bereits über eine Reduzierung der hohen Mietverpflichtungen verständigt. Inzwischen soll Schwenkow aber aus den Verhandlungen mit Stella ausgestiegen sein, weil den Berlinern der geforderte Preis für den angeschlagenen Musicalkonzern zu hoch war. Die Rede ist von rund 60 Millionen Mark.

Das zähe Ringen um eine Zukunft für Stella nährt unterdessen Zweifel daran, ob der Konzern als Ganzes überhaupt einen neuen Eigentümer finden kann. "Stella ist lange Jahre von Immobilienspekulanten kaputt gemacht worden", beschrieb am Dienstag ein Beobachter die Lage. Ins Blickfeld rückt dabei der größte deutsche Immobilienfonds - der 1994 aufgelegte Drei-Länder-Fonds 94/17 - der den Bau der beiden Stella-Spielstätten in Stuttgart finanziert und - nach Meinung von Experten - weit über dem Marktniveau liegende Mietforderungen durchgesetzt hat. Diese Altlasten müsste ein neuer Eigentümer gegebenenfalls übernehmen. Die Zeichner des Fonds, dem neben Stella auch andere Schieflagen nachgesagt werden, halten inzwischen - als Ausgleich für eine zwischenzeitlich vereinbarte Mietminderung - 20 Prozent der Stella-Aktien. Nach Angaben des Branchenbriefs "Kapitalmarkt intern" droht etwa 30 000 (Klein-)Anlegern des 2,3 Milliarden Mark schweren Fonds der teilweise Vermögensverlust, sollte Stella keinen neuen Eigentümer finden. "Für eine komplette Übernahme besteht aber zurzeit nicht der Hauch einer Chance", sagt "Kapitalmarkt intern"-Chefredakteur Axel J. Prümm.

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