Wirtschaft : „Der Ansatz der EZB funktioniert“ Investmentbanker Winter über die Bankenaufsicht

Herr Winter, wie sehen Sie die aktuelle Politik der EZB?

Ihr Ansatz funktioniert. Das Risiko, dass in nächster Zeit in der Euro-Zone etwas Gravierendes passiert, ist erkennbar kleiner geworden. Das wird sehr aufmerksam auch in den USA registriert. US- Großanleger blicken bei Anlageerwägungen wieder verstärkt auf die Euro-Zone. Das Verfassungsgericht hat ebenfalls für mehr Sicherheit und für wachsendes Vertrauen auf den Finanzmärkten gesorgt.

Wird die EZB mit der Bankenaufsicht überfrachtet?

Die Überwachung der 20 bis 30 systemrelevanten Banken ist dort richtig angesiedelt. Eine andere Frage ist, wie sie kleinere Banken beaufsichtigt. Das geht bei den Auslandsbanken wie bei Sparkassen und Volksbanken praktisch wohl nur in Kooperation mit den nationalen Aufsehern. Dennoch sollten eine zentrale Bankenaufsicht und einheitliche Regeln eben auch ohne Ausnahme für alle Institute gelten. Und wir müssen darauf achten, dass möglichst keine Sonderregeln für Banken aus dem Nicht-Euro-Raum entstehen. Gerade die britischen Institute, auch die, die in Deutschland aktiv sind, werden sich beispielsweise kaum einer Aufsicht durch die EZB unterwerfen.

Das Image der Banken leidet derzeit auch unter der mutmaßlichen Unterstützung deutscher Steuerflüchtlinge durch Schweizer Banken. Wie ist Ihre Position dazu?

Der Verband verurteilt ohne Wenn und Aber Steuerkriminalität, daran darf es keinen Zweifel geben. Wir machen keine fragwürdigen Geschäfte. Die aktuelle Debatte über das Steuerabkommen ist aber eine politische Angelegenheit zwischen Deutschland und der Schweiz. Im Übrigen: Die Schweizer Banken in Deutschland betreuen ihre deutschen Kunden in den hiesigen Filialen und verbuchen ihre Geschäfte hier in Deutschland.

Die Sparkassen werfen unter anderem Auslandsbanken nicht kostendeckende Lockangebote für Tagesgeld vor.

Die Preisgestaltung obliegt jedem Haus selbst, ich kenne die jeweilige Kalkulation nicht. Aber man sollte davon ausgehen, dass die Banken nur Angebote machen, die für sie auch wirtschaftlich Sinn machen. Die Tragfähigkeit des jeweiligen Geschäftsmodells wird durch die Bankenaufsicht gewährleistet und zwar überall in Europa. Ich kann deshalb nicht verstehen, wieso es schlecht sein sollte, Kunden attraktive Konditionen zu bieten.

Das Interview führte Rolf Obertreis

Stefan Winter (57)

ist Vorstandschef

des Verbandes der Auslandsbanken in Deutschland. Im Hauptberuf sitzt er im Vorstand des Deutschland-Ablegers der schweizerischen UBS.

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