Wirtschaft : Der Arbeitsmarkt braucht Ausländer: Mit den Russen auf dem Weg zur New Economy

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Hereinlassen reicht nicht. Wer die Grenzen öffnet, muss sich auch um die Integration der Migranten kümmern. Angesichts des Standardbeispiels USA gehen oft andere Modelle erfolgreicher Einwanderungsländer unter: Israel etwa. Dabei könnte ein Blick nach Israel gerade jenen Skeptikern zu denken geben, die den Amerikavergleich inakzeptabel finden. Denn sozialstaatlicher Ordnungsrahmen und Fläche des Landes sind eher mit Deutschland vergleichbar als die USA.

Israel hat seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1990 rund 700 000 jüdische Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion aufgenommen. Manche sagen sogar, dass diese statistisch erfasste Zahl noch untertrieben sei und man von einer Million Neubürger ausgehen müsse. Damit hat sich die Zahl der Einwohner seit Ende der 80er Jahre um ein Drittel vergrößert. Israel ist verfassungsmäßig zur Intergration verpflichtet, denn jeder Jude hat das Recht zu kommen. Der Zuzug hat anfangs die israelische Gesellschaft geschockt - und die Arbeitslosigkeit erhöht. Witze grassierten über gebildete russische Ingenieuere, die bei Kleinbürgern in Tel Aviv als Gärtner arbeiten.

Politisch ist die Integration bis heute nicht vollständig geglückt; russische Immigranten gelten als besonders militante Zionisten. Sozial und ökonomisch aber wurde aus der Zuwanderung ein Erfolg: Die Immigranten haben heute zumeist Arbeit in ihren angestammten technischen Berufen. Ein Druck auf das Lohngefüge nach unten hat nicht stattgefunden. Das dementiert ein hartnäckiges Vorurteil aller Migrationsgegner, die Lohneinbußen für die heimische Arbeitnehmer befürchten. Das Gegenteil wird aus Israel berichtet: Die Gehälter steigen am oberen Ende. Mehr noch: Die Integration der Russen ermöglichte den Wandel der israelischen Wirtschaft von der agrarischen zur New Economy.

Das sind Ergebnisse einer Untersuchung, die ein israelischer und zwei amerikanische Ökonomen jetzt vorgelegt haben. Die Untersuchung zeigt auch: Von alleine funktioniert Integration nicht. Israel hat eine lange Tradition der Einbürgerungspolitik seit der Staatsgründung 1948. Deren erster Grundsatz lautet: Von jedem Einwanderer wird Anpassung an die israelische Leitkultur verlangt. Er muss bereit sein, zügig und in relativ rascher Zeit hebräisch zu lernen, eine ziemlich schwere Sprache und Schrift. Die Sprachkurse gibt es kostenlos.

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