Wirtschaft : Der aufgebauschte BBC-Bericht

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Wer sich den Ruf politischer Einseitigkeit erwirbt, kann sicher sein, das Vertrauen – und damit die Unterstützung – eines bedeutenden Teils des Publikums zu verlieren. Wegen eines Rundfunkbeitrags vom Mai dieses Jahres, in dem der BBCReporter Andrew Gilligan behauptete, Premierminister Tony Blairs Medienchef und Berater Alastair Campbell hätte ein Dossier über die Massenvernichtungswaffen des Irak „aufgebauscht“ und speziell die Aufsehen erregende, aber unzuverlässige Behauptung eingebaut, Saddam könne binnen 45 Minuten chemische und biologische Waffen einsetzen, befindet sich die BBC in einem kriegsähnlichen Zustand mit der britischen Regierung. Der Bericht war in der renommierten Radiosendung „Today“ gesendet und anschließend von Nachrichtensendungen weltweit aufgegriffen worden. Ein weiterer BBC-Bericht zu dem Dossier stammt von der Journalistin Susan Watts. Anders als ihr Kollege Gilligan unterstellte sie der britischen Regierung jedoch keine vorsätzliche Manipulation. Vor dem Untersuchungsausschuss zum Selbstmord des früheren Irak-Waffeninspektors David Kelly ließ sie Gilligans Bericht vergangene Woche in einem zweifelhaften Licht erscheinen. Beide Berichte stützten sich auf Gespräche mit Kelly. Watts legte nun die Aufzeichnung eines ihrer Telefonate mit dem Waffenexperten vor, in dem dieser klarstellt, dass er nicht behaupten könne, die Regierung hätte vorsätzlich etwas verändert.

Es kann vorkommen, dass ein Bericht Unrichtigkeiten aufweist. Im Normalfall wird eine solche Unstimmigkeit eingestanden und korrigiert. Jedoch hat die BBC sich nicht nur geweigert, das zu tun, vielmehr wurde offenbar versucht, den Irrtum zu vertuschen. Nach Aussage von Susan Watts sei die BBC vornehmlich daran interessiert gewesen, die Darstellung von Andrew Gilligan bestätigt zu sehen, und habe sie gedrängt, ihre Berichte dementsprechend abzustimmen. Wie Mike Gonzalez vom Wall Street Journal vor gut einer Woche in seiner Kolumne schrieb, geht es hier um mehr als die Fehleinschätzungen eines Journalisten und den Widerwillen seiner Vorgesetzten, Verantwortung dafür zu übernehmen. Es offenbart sich Einseitigkeit in der Berichterstattung eines Markenzeichens in der internationalen Medienlandschaft, das einst hoch geschätzt wurde.

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