Wirtschaft : Der Aufschwung kommt nicht

Bundesbank und Volkswirte skeptisch für Deutschland – Alan Greenspan optimistisch für US-Wirtschaft

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Berlin/Frankfurt (Main) (mot/ro). An den Finanzmärkten setzt sich die Erkenntnis durch, dass sich die deutsche Wirtschaft so bald nicht erholen wird. Die Bundesbank spricht in ihrem am Mittwoch vorgelegten Monatsbericht von einer „hartnäckigen Stockungsphase“, zu der auch die Unsicherheit über die Reformvorhaben der Bundesregierung und die Folgen des rasanten EuroAufschwungs für die Exportwirtschaft beigetragen hätten. An der Börse führten die eingetrübten Aussichten in Verbindung mit enttäuschenden Unternehmenszahlen am Mittwoch zu neuen Kursverlusten: Der Dax verlor 0,4 Prozent auf 2827 Punkte.

Die Perspektiven für die US-Wirtschaft verbessern sich hingegen. US-Notenbank-Chef Alan Greenspan gab sich am Mittwoch optimistisch. Eine sichere Einschätzung der Konjunktur nach dem Ende des Irak-Kriegs sei zwar verfrüht. Die Erwartungen einer sich abzeichnenden Erholung seien aber nicht unangemessen, sagte Greenspan bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des US-Kongresses. Die jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt und zur Produktion nannte er zwar enttäuschend. Die Zahlen spiegelten aber „wohl Unternehmensentscheidungen wider, die größtenteils vor Kriegsbeginn getroffen wurden“.

Zuversicht für einen absehbaren Aufschwung in Deutschland sei nicht zu erkennen, schreiben die Bundesbank-Volkswirte. „Vieles spricht dafür, dass die stagnative Grundtendenz, in der sich Deutschland befindet, zunächst weiter anhält.“ Die Wachstumsprognose der Bundesregierung von 0,75 Prozent für 2003 stellten die Notenbanker in Frage. Eine Rezession befürchten sie allerdings nicht. Auch die Volkswirte der Dekabank senkten am Mittwoch wegen des enttäuschenden ersten Quartals sowie der anhaltenden Euro-Aufwertung (siehe Lexikon) ihre Wachstumsprognose für Deutschland von 0,4 auf 0,2 Prozent für das Jahr 2003. Nach Einschätzung der Bank of America bedeutet der starke Euro eine „ernste Gefahr“ für die deutsche Wirtschaft. Der starke Außenwert der Gemeinschaftswährung bringe die Unternehmen um die Früchte ihrer Rationalisierungsbemühungen, sagte der Chefvolkswirt für Europa, Holger Schmieding. Zudem erhöhe er den Druck auf die Politik, durch einen Abbau der Lohnnebenkosten die Unternehmen zu entlasten. Die Aussichten für einen Aufschwung der Weltwirtschaft haben sich nach Schmiedings Einschätzung indes aufgehellt. Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen hätten sich verbessert, gerade in den USA sprängen die Investitionen wieder an.

Über die Stärke des Euro – die EZB ermittelte am Mittwoch einen Referenzkurs von 1,1689 (1,1644) Dollar – macht sich die Bundesbank aber offenbar noch keine allzu großen Gedanken. Im Tagesverlauf hatte der Euro mit einem Hoch von 1,1744 Dollar seine Erstnotiz von 1999 knapp verfehlt. Trotz dieser Aufwertung liege die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands „gegenwärtig recht nahe bei ihrem langfristigen Durchschnittswert“.

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