Wirtschaft : Der Aufschwung lässt nach

Noch herrscht bei den Berliner Unternehmen gute Stimmung, aber die Aussichten trüben sich ein

Moritz Döbler

Berlin - Die Berliner Wirtschaft geht mit gebremster Zuversicht ins kommende Jahr. Die Stimmung der Unternehmen zeige sich zwar derzeit „nach wie vor deutlich positiv gefärbt“ und habe nach dem Sommerhoch nur leicht nachgelassen, heißt es im gemeinsamen Konjunkturbericht von Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie Handwerkskammer (HWK), der am morgigen Montag veröffentlicht wird und dem Tagesspiegel bereits vorliegt. „Auch in 2007 dürfte der Konjunkturmotor noch rund laufen, wenn auch mit weniger Dynamik angesichts der anstehenden vielfachen zusätzlichen Belastungen für die Unternehmen und Verbraucher.“

Die beiden Kammern, die zusammen etwa 250 000 Betriebe vertreten, haben für den Bericht 1400 ihrer Mitglieder befragt. Die aktuelle Geschäftslage bewerten 42 Prozent der Betriebe als gut und 13 Prozent als schlecht, was einen deutlich besseren Saldo als in den Vorjahren ergibt. Allerdings spielen hier die sogenannten Vorzieheffekte vor der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel eine Rolle.

Die Geschäftserwartungen bewegen sich dagegen auf dem Niveau der beiden Vorjahre und sind deutlich schlechter als im Frühjahr. Immerhin blickt noch jedes dritte Unternehmen optimistisch in die nächsten sechs bis zwölf Monate, nur halb so viele sind pessimistisch gestimmt. Die große Mehrheit erwartet also keine Veränderung. Zuversicht herrscht vor allem im Gastgewerbe und der Baubranche, weniger in Handel, Industrie und Handwerk.

Auch die Bereitschaft zu Investitionen ist deutlich geringer als im Frühjahr. Am stärksten ist sie im Gastgewerbe ausgeprägt. Immerhin beabsichtigen die Unternehmen aber mehrheitlich, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das gilt erstmals seit Jahren auch für das Baugewerbe. „Das Berliner Handwerk erreicht in diesem Jahr das beste Konjunkturbild seit zehn Jahren“, heißt es in dem Bericht ferner. Allerdings gebe es kritische Bereiche. So litten die Friseure unter „einer hohen Betriebsdichte bei einer steigenden Zahl von Discountern mit Dumpingpreisen“. Auch treffe die Gesundheitsreform die medizinischen Handwerksbetriebe.

Die Kammern beziffern das Wirtschaftswachstum in dem Bericht für dieses Jahr auf mehr als ein Prozent. Das liegt etwas über der Prognose, die das Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Tagesspiegels erstellt hat. Das DIW erwartet für Berlin ein Wachstum von 0,8 Prozent. So oder so dürfte die Wirtschaft bundesweit mehr als doppelt so stark wachsen. Für 2007 sieht der Tagesspiegel-Indikator derzeit nur noch 0,2 Prozent Wachstum voraus.

Nach DIW-Einschätzung stagniert Berlins Entwicklung zu einer Dienstleistungsmetropole. Zwar sei die Beschäftigung in dem Sektor gestiegen, aber vielfach gehe es um einfache Tätigkeiten mit geringer Produktivität. Zudem hänge sie zum großen Teil von der privaten Konsumnachfrage ab, und damit gerate Berlin ins Hintertreffen, stellten die Forscher jüngst in einer Analyse für diese Zeitung fest. Der neue Konjunkturbericht der Kammern klingt da positiver. Die gute Stimmung in dem Sektor bleibe „erfreulich stabil“ und bilde eine wichtige Stütze für die Konjunktur insgesamt. Dienstleister seien der Job-Motor der Hauptstadt. Allerdings habe sich in der Datenverarbeitung etwas Skepsis breitgemacht.

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