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Der Aufschwung macht Arbeit : Deutsche arbeiten so viel wie seit 22 Jahren nicht mehr

Die Beschäftigtenzahl steigt, zugleich haben die Leute immer mehr zu tun. 15 Milliarden Stunden haben sie in den ersten drei Monaten des Jahres ihrer Arbeit gewidmet.

Carsten Brönstrup
Die Arbeitnehmer in Deutschland haben in den ersten drei Monaten des Jahres so viel gearbeitet wie seit fast 22 Jahren nicht mehr.
Die Arbeitnehmer in Deutschland haben in den ersten drei Monaten des Jahres so viel gearbeitet wie seit fast 22 Jahren nicht mehr.Foto: dpa

Die Arbeitnehmer in Deutschland haben in den ersten drei Monaten des Jahres so viel gearbeitet wie seit fast 22 Jahren nicht mehr. Das Arbeitsvolumen sei mit der anziehenden Konjunktur im ersten Quartal 2014 auf 15 Milliarden Stunden geklettert, teilte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag mit. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei das ein Plus von 2,8 Prozent.

Gegenüber dem vierten Quartal 2013 stieg das Arbeitsvolumen demnach saison- und kalenderbereinigt um 1,4 Prozent. "Die kräftige Konjunktur hat den positiven Trend bei der Erwerbstätigkeit noch einmal verstärkt", erklärte das IAB. Ein noch höheres Arbeitsvolumen sei zuletzt im dritten Quartal 1992 mit 15,3 Milliarden Stunden gemessen worden. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg die Zahl der Erwerbstätigen den Angaben zufolge leicht um 0,8 Prozent. Die Arbeitszeit nahm pro Erwerbstätigem um zwei Prozent zu. Vollzeitbeschäftigte arbeiteten im Durchschnitt 38 Stunden, Teilzeitbeschäftigte 15 Stunden. Auf jeden Beschäftigten kamen im ersten Quartal 2014 im Durchschnitt 11,6 bezahlte Überstunden.

Lange Zeit wurden die Beschäftigungsrekorde der vergangenen Jahre mit Vorsicht betrachtet. Die Agenda 2010 sei gar nicht so erfolgreich, sagten ihre Kritiker, weil in den neunziger Jahren das Arbeitsvolumen höher gewesen sei. Es sei durch die Gesetzesänderungen eben nur auf mehr Köpfe verteilt worden. Mittlerweile kann davon aber keine Rede mehr sein. Die Frage ist, wie die Beschäftigung und das Arbeitsvolumen auf die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns reagieren werden, der demnächst in Kraft treten soll.

Vor allem Beschäftigte auf dem Bau hatten in den vergangenen Monaten gut zu tun.
Vor allem Beschäftigte auf dem Bau hatten in den vergangenen Monaten gut zu tun.Foto: dpa

Der Zuwachs ist laut IAB vor allem darauf zurückzuführen, dass die Beschäftigten im Schnitt länger arbeiteten als im Jahr zuvor. Zum einen wuchs die Wochenarbeitszeit der 41,74 Millionen Beschäftigten leicht; zum anderen machten sie auch mehr Überstunden als im ersten Quartal 2013. Zudem hatten mehr Bundesbürger einen Arbeitsplatz als Anfang 2013. Die Zahl der Erwerbstätigen - die zweite wichtige Komponente des Arbeitsvolumens - stieg um 0,8 Prozent. Zugleich sank der Krankenstand zum Jahresanfang 2014 leicht.

Derweil geht die Zahl der Firmenpleiten immer weiter zurück. Erneut eröffneten die Amtsgerichte weniger Insolvenzverfahren als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Insgesamt traten 6156 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter an. Das waren 6,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Monatsvergleich März betrug der Rückgang sogar 11,2 Prozent.

Damit setzte sich eine Entwicklung fort, die Anfang 2010 begonnen hatte: Seit vier Jahren liegen die Quartalszahlen der Insolvenzen unter dem jeweiligen Vorjahreswert. Diesmal erhöhte sich aber der mögliche Schaden: Im Feuer stehen Forderungen der Gläubiger in Höhe von 6 Milliarden Euro. Vor einem Jahr waren es nur 5,6 Milliarden Euro gewesen.

Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen lag mit 22 115 um 4,2 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal, wie das Statistik-Amt weiter berichtete. Die Gesamtzahl der Insolvenzen, in der auch vereinfachte Verfahren ehemaliger Selbstständiger und andere Fälle enthalten sind, fiel um 4,0 Prozent auf 34 271. mit AFP/dpa

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