Wirtschaft : Der Aufschwung schwächt sich ab Teures Öl und hohe Zinsen drücken ZEW-Index

Berlin - Der hohe Ölpreis und die steigenden Zinsen bremsen nach Ansicht von Finanzexperten den Aufschwung in Deutschland. Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sackte im Juli im Vergleich zum Vormonat überraschend deutlich um 9,9 Punkte ab und liegt nun bei 10,4 Punkten, wie das ZEW am Dienstag in Mannheim mitteilte. „Die Konjunkturerwartungen zeigen an, dass die deutsche Wirtschaft mit einer etwas nachlassenden Dynamik in das Jahr 2008 starten wird“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Für den Juni meldete er den zweiten Index-Rückgang in Folge.

Die 306 befragten Analysten sehen vor allem beim inländischen Konsum und in der Bauwirtschaft Anzeichen einer Abschwächung. Als Gründe nannte das ZEW neben dem Aufwärtstrend beim Ölpreis und den steigenden Zinsen auch die dürftigen Aussichten für die US-Konjunktur. Zudem erschwere der teure Euro die Exportchancen deutscher Firmen. Die Einschätzung der Finanzexperten zur aktuellen konjunkturellen Lage verschlechterte sich allerdings nur leicht. Der entsprechende Indikator ging um 0,5 Punkte auf 88,2 Punkte zurück.

Der deutsche Leitindex Dax fiel nach Bekanntgabe der Zahlen zeitweise unter die Marke von 8000 Punkten. Am Freitag hatte er mit 8151 Punkten eine neue Rekordmarke erreicht. Auch der Euro gab nach, behauptete sich aber mit rund 1,377 Dollar nahe seinem ebenfalls am Freitag erreichten Rekordhoch von 1,3813 Dollar. Im Juni war bereits der Ifo-Geschäftsklima-Index spürbar gesunken.

Wirtschaftsforscher der WestLB sprachen von einem „Warnschuss vor übertriebenem Konjunkturoptimismus“. Die aktuelle Einschätzung der befragten Experten lasse aber erwarten, „dass der Aufschwung auch 2008 anhält“. Mit einer stärkeren Dynamik als derzeit sei aber kaum zu rechnen. Die Risiken aus hohem Ölpreis, steigenden Zinsen und Wechselkursen müsse man im Auge behalten. Die Zentralbank hat in den vergangenen anderthalb Jahren den Leitzins von zwei auf vier Prozent verdoppelt. „Die Konjunkturentwicklung ist keine Einbahnstraße. Dies gilt allemal für die Aktienmärkte“, erklärte WestLB-Experte Arnd Schäfer.

Auch andere Ökonomen vermuten gar, dass Deutschland den Konjunkturgipfel bereits überschritten habe. „In den nächsten Monaten rücken wir wohl in ein ruhigeres Fahrwasser“, sagte Brian Mandt von der Postbank.

Der Aufwärtstrend beim Ölpreis hält derweil unvermindert an. Der Rohstoff aus dem Fördergebiet der Ölorganisation Opec kostete am Dienstag so viel wie noch nie seit der Gründung des Kartells 1960. Nach Angaben des Opec-Sekretariats mussten für ein Barrel (159 Liter) 72,83 Dollar gezahlt werden. Das waren 34 Cent mehr als am vergangenen Freitag. Damit kostete das Barrel auch 15 Cent mehr als beim letzten Rekordstand von 72,68 Dollar Anfang August 2006.

Eine Reihe von Faktoren spricht nach Einschätzung von Beobachtern für weiter steigende Rohölpreise. Dies seien mögliche Engpässe bei den US-Benzinlagerbeständen, Reparaturen bei Nordseeraffinerien und weltpolitische Spannungen. Das nächste Signal, das die Preise merklich nach oben treiben könnte, seien mögliche Wirbelstürme in den USA, sagten Händler. Jede Korrektur beim Ölpreis nach unten dürfte kurzlebig sein, da der Markt weiter nach oben gerichtet sei, sagte der Energie-Analyst von der Man Group, Edward Meir. brö/dpa

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