Wirtschaft : Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten ist ungebrochen

Daniel Rhee-Piening

In zwei Punkten sind sich die Analysten der deutschen Banken einig: 2000 wird wieder ein gutes Aktienjahr, die Dividendenpapiere werden einmal mehr die Rententitel schlagen. Die anziehende Konjunktur in Deutschland, steigende Unternehmensgewinne und zunächst stabile Zinsen werden die Kurse nach oben treiben, wobei die Mehrzahl der Beobachter an den deutschen und europäischen Börsenmärkten größere Chancen für die Anleger sieht als an dem US-amerikanischen. Die Schätzungen für die weitere Entwicklung des deutschen Börsenbarometers Dax gehen allerdings ziemlich weit auseinander und mancher Beobachter denkt angesichts der Rallye in den vergangenen Tagen schon ernsthaft über eine Korrektur ihrer Prognosen nach oben nach, oder wünscht sich einen etwas verhalteneren Jahresauftakt. Auch die Empfehlungen sind (natürlich!) nicht einheitlich. Während einige bei den Technologiewerten schon zur Vorsicht raten, gelten sie bei anderen als Kauftitel. Auch die Automobilwerte werden recht unterschiedlich beurteilt.

Markus Vogt, Leiter des Private Banking Centers der Deutschen Bank Unter den Linden, sieht den Dax bei 7000 bis 7500 Punkten und empfiehlt die Branchen Chemie (BASF, Bayer, DSM), Automobile (DaimlerChrysler, VW) und Finanzwerte (Deutsche Bank, ING) zum Kauf. Die bisher anhaltende Konzentration auf Branchen mit hoher Gewinndynamik dürfte auch im kommenden Jahr anhalten, so Vogt. Die höchsten Ertragszuwachsraten sieht er bei den erwähnten Chemiewerten und den Konsumtiteln. Die Finanzaktien dürften von dem Favoritenwechsel profitieren.

Die Commerzbank-Analysten begründen ihre Kurszuversicht vor allem mit den nur noch leicht steigenden Kapitalmarktzinsen. Gleichzeitig seien die Konjunkturaussichten im kommenden Jahr günstig, so dass die Gewinne der Dax-Unternehmen mit rund 15 Prozent wieder kräftiger steigen würden. Der Dax konnte zwar noch über 7000 Punkte steigen, generell erscheint den Cobank-Analysten die Luft aber schon sehr dünn. Sie bleiben deshalb trotz der jüngsten Dax-Rekorde bei ihrer Schätzung und dies bedeutet eine Schwankungsbreite von 6500 bis 7000 Punkte. Überdurchschnittliche Kurschancen sieht die Commerzbank bei Pharma- und Technologiewerten.

Martin Rottmann, Aktienanalyst bei der Berliner Volksbank, kann sich ein deutlicheres Nachgeben der Kurse bereits im Januar durchaus vorstellen. Er sieht den Dax deshalb am Ende des ersten Halbjahres bei 6800 Punkten, bis zum Jahresende könnte er dann auf 7300 Zähler klettern. Für den Euro-Stoxx 50 erwartet Rottmann Stände von 4850 Punkten per Ende Juni und 5200 Punkten zum Jahresende 2000. Die Technologiewerte am Neuen Markt dürften sich sogar noch positiver entwickeln. Vom Rentenmarkt dürfte im ersten Halbjahr keine störende Belastung ausgehen, schreibt die Volksbank weiter. Rottmann rechnet mit einer Seitwärtsbewegung um die aktuellen Stände, auch wenn die Europäischen Zentralbank die Leitzinsen in dieser Zeit nicht anheben dürfte. Im zweiten Halbjahr könnten die Renditen im Zuge der anziehenden Inflation leicht steigen.

Beim Privatbankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt ist man etwas vorsichtiger, sieht aber sehr günstige Rahmenbedingungen für die Börse. Die zunehmende konjunkturelle Beschleunigung in Westeuropa und in Asien werde im kommenden Jahr für ein kräftiges globales Wachstum sorgen. Die Inflationsrisiken seien hingegen begrenzt. Die Unternehmensgewinne sollen im kommenden Jahr um rund 15 Prozent und im Jahr 2001 um fast 20 Prozent steigen.

Sehr zuversichtlich ist die Conrad Hinrich Donner Bank. Die Privatbank sieht allein im ersten Quartal 2000 beim Dax ein Potenzial bis 7200 Punkte, wobei das Rückschlagsrisiko bei 6000 Punkten liegen dürfte. Ein niedriges Zinsniveau sei ausschlaggebend dafür, dass unter anderem Versicherungen künftig freiwerdende Mittel aus der vergangenen Hochzinsphase (Anfang der 90er Jahre) - bis dato im Segment der Rentenpapiere gebunden - künftig zumindest partiell in die Aktienmärkte einbringen würden. Eine breite Akzeptanz der Aktienanlage bei den privaten Haushalten ergänze das positive Szenario, schreiben die Hamburger Experten. Der Faktor "Gier" treibe so manchen Kurs am Neuen Markt.

Und wie sehen die Prognosen für den Dow Jones aus? Am oberen Ende rangiert die Prognose der SGZ Bank, die den US-Börsenindex Ende 2000 bei 13 500 Punkten sieht. Am zurückhaltensten sind HSBC und Société Générale (Deutschland), die nur einen Stand von 10 000 Punkten voraussagen möchten.

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