Wirtschaft : Der Ausfall mindert den Wettbewerb in der Baubranche kaum - "Eine gewisse Entspannung", mehr nicht

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Herbert Bodner zeigt sich diplomatisch: Von möglichen Auftragschancen durch den Ausfall des Baukonzerns Philipp Holzmann will der Bilfinger+Berger-Vorstandschef nicht sprechen. Gleichwohl: "Eine gewisse Entspannung im Spitzensegment des Baugeschäfts" erwartet er schon. Dennoch bleibt Bodner Realist. Auch das Ausscheiden von Philipp Holzmann und einiger Subauftragnehmer wird die Überkapazitäten auf dem deutschen Markt nicht beseitigen. Am gesamten deutschen Baugeschehen habe Holzmann schließlich nur einen Marktanteil von unter fünf Prozent.

In der Tat ist die deutsche Baubranche noch immer stark mittelständisch strukturiert. Nur 0,1 Prozent aller Bauunternehmen hat mehr als 500 Mitarbeiter, gut zwei Drittel der Baubeschäftigten sind in kleinen und mittelständischen Betrieben tätig. Zu den Großbetrieben der Branche zählt eine Handvoll Unternehmen: Philipp Holzmann, Hochtief, die Walter-Bau-Gruppe (zu ihr zählen auch Dyckerhoff+Widmann, Heilit+Woerner und Züblin), Bilfinger+Berger und Wayss+Freytag. Sie bestreiten lediglich ein Viertel des deutschen Baumarktes.

Gleichwohl verzerrt dies das Bild: Die Krise hat nicht alle Betriebe in der Branche erfasst. Vor allem kleinere Unternehmen können sich in einer Nische behaupten, die vom Volumen her nicht zu unterschätzen ist: Von den deutschen Bauinvestitionen, die das Statistische Bundesamt 1998 auf knapp 500 Milliarden Mark bezifferte, entfällt rund die Hälfte auf Sanierungen und Instandsetzungen. Anderswo aber forderte der Wettbewerb schon erhebliche Opfer - vor allem im Mittelstand. Rund 15 Prozent der Betriebe mit mehr als hundert Beschäftigten ist in den vergangenen zehn Jahren vom Markt verschwunden, mit ihnen gingen fast 300 000 Arbeitsplätze verloren. Allein 1998 meldeten rund 8000 Baubetriebe Insolvenz an. Mit Philipp Holzmann hat es erstmals einen der Großen der Branche getroffen.

Der Bauindustrieverband macht dafür den harschen Preiswettbewerb bei den Großprojekten verantwortlich. "Die Baupreise liegen heute im Durchschnitt um fünf Prozent unter dem Niveau von 1995, in manchen Bereichen hat der Preisverfall aber auch ein zweistelliges Ausmaß erreicht", sagt Heiko Stiepelmann, Geschäftsführer des Bauindustrieverbandes. Die Projekte müssen europaweit ausgeschrieben werden, hier drängen nun zunehmend ausländische Konkurrenten ins Geschäft - ebenso wie die deutschen Großkonzerne ihrerseits ins Ausland expandieren.

Es sind nicht nur irische und portugiesische Subunternehmer in Deutschland aktiv. So schnappte der französische Baukonzern Bouygues den deutschen Wettbewerbern den Auftrag für die Warnow-Querung weg. Die Société Générale des Eaux übernahm den zweitgrößten Straßenbaubetrieb, die Essener Teerbau, sowie die Verkehrsbau-Union (VBU) in Berlin, die französische Dumez-GTM-Gruppe kaufte die Dortmunder Wiemer+Trachte. Die Strabag AG gehört mehrheitlich zur österreichischen Bau-Union. Auch Briten und Norweger mischen in Deutschland mit.

Sind die Deutschen nicht effizient genug? Nein, sagt Verbandssprecher Stiepelmann. "Im internationalen Wettbewerb sind sie in der Spitze". Doch die Konkurrenz aus Frankreich ist stark. Bouygues und Société Générale des Eaux sind Mischkonzerne, die mit Gewinnen aus der Telekommunikation oder dem Energiegeschäft ihre Bausparten stützen können. Mit weiteren Zukäufen ist zu rechnen.

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