Wirtschaft : Der Autokanzler besucht das Volk

Ursula Weidenfeld

Der Autokanzler hat wieder einmal ein Autowerk besucht - und den Arbeitern bei BMW, Volkswagen, Mercedes und Opel versprochen, dass er die Steuerpflicht für Jahreswagen abschaffen will. Das wird nicht nur die Beschäftigten freuen. Auch die Chefs in der Branche werden begeistert sein: Die Autokonjunktur im Inland könnte dringend einen Impuls brauchen. Und was könnte da besser passen als ein kleines Geschenk für die traditionsbewussten SPD-Wähler an den Montagestraßen, das ganz nebenbei auch die Kanzlerfreunde in den Chefetagen freut. Die nämlich hatten immer wieder geklagt, dass der Autoverkauf an Mitarbeiter dramatisch eingebrochen ist, seitdem der geldwerte Vorteil des vorteilhaften Sonderverkaufs an Werksangehörige versteuert werden muss. Wenn diese Steuerpflicht nach der Wahl kassiert wird, können die Werksangehörigen wieder mehr Autos im Jahr kaufen, sie ein paar Monate fahren und dann mit einem geringen Abschlag wieder verkaufen - eine große Rabattaktion zur Förderung des Autoverkaufs wird gestartet.

Wieder einmal wird deutlich, wie einflussreich die Autolobby ist. Und wieder einmal wird offenbar, wie nah sich der Kanzler dieser Industrie fühlt. Bei der Autokonjunktur lässt Schröder die ruhige Hand ruhige Hand sein - und schadet damit allen anderen Unternehmen, die solche Steuervorteile nicht bekommen. Vor allem aber konterkarierte er die Bemühungen des Finanzministers, so etwas wie ein ordnungspolitisches Gewissen im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Eichel predigte: keine Extrawürste, keine Sonderausgaben, keine Gefälligkeitsgesten. Und Schröder sagt: Mal gucken. Und Eichel muss parieren.

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