Wirtschaft : Der Automarkt bleibt auch 2006 schwach Wegen Steuererhöhung werden Käufe vorgezogen

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Frankfurt am Main - Wegen der für 2007 geplanten Mehrwertsteuererhöhung rechnet die deutsche Autoindustrie im kommenden Jahr mit einem höheren Absatz. Allein die vorgezogenen Käufe könnten nach Angaben des Verbandes der Autoindustrie (VDA) 50 000 bis 80 000 Fahrzeuge umfassen. Alles in allem rechnet der VDA 2006 mit 3,35 Millionen Neuzulassungen nach 3,34 Millionen in diesem Jahr. Für VDA-Präsident Bernd Gottschalk steht damit jetzt schon fest, dass „wir auch 2006 vom Export leben werden“. In diesem Jahr werden die deutschen Autohersteller mit 3,75 Millionen Fahrzeugen (plus vier Prozent) den dritten Ausfuhrrekord in Folge verbuchen. Die Pkw-Produktion liegt 2005 voraussichtlich bei 5,3 Millionen Autos und damit zwei Prozent über dem Vorjahr.

Bei den letzten Mehrwertsteuererhöhungen 1983 und 1998 wurden nach Erkenntnissen des VDA jeweils 50 000 Autos vorab gekauft, gefolgt von einem Zulassungsminus im darauf folgenden Quartal. Eine ähnliche Entwicklung befürchtet Gottschalk auch 2007. Insgesamt beziffert er die Belastungen für die deutschen Autofahrer beim Autokauf durch die Mehrwertsteuer-Erhöhung auf rund zwei Milliarden Euro. An den Tankstellen werde sie dazu mit weiteren zwei Milliarden Euro zu Buche schlagen. Die Kürzung der Pendlerpauschale koste die Autofahrer weitere zwei Milliarden Euro.

Obwohl der Export auch 2006 gut laufen werde, nehme der Druck auf die Hersteller zu. Deshalb würden die Unternehmen den Arbeitsplatzabbau fortsetzen. Im laufenden Jahr sind 6000 Stellen weggefallen. Dabei sind die geplanten Kürzungen bei DaimlerChrysler um rund 8500 Arbeitsplätze noch gar nicht enthalten, weil sie nach Ansicht des VDA erst 2006 wirksam werden. Folgt man den Zahlen, die Gottschalk noch am Jahresanfang genannt hat, sind in diesem Jahr sogar 10 000 Stellen weggefallen. Damals berichtete er von 777 000 Arbeitsplätzen bei Herstellern und Zulieferern. Jetzt sind es noch 767 000 Beschäftigte.

Gottschalk schaut auch deshalb mit Unbehagen auf die anstehende Tarifrunde in der Metallindustrie. „Die Tarifpolitik muss sich ganz in den Dienst der Standortsicherung stellen.“ Für die Menschen seien sichere Arbeitsplätze wichtiger als Lohnzuwächse. ro

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