Wirtschaft : Der "Baby-Benz" wird nachgerüstet

Zusatzausstattung der A-Klasse kostet 100 Mill.DM pro Jahr / Fahrdynamikregelung serienmäßig

STUTTGART (dpa/AP).Als Konsequenz aus einem Testunfall bessert Daimler-Benz die Mercedes-A-Klasse nach und gibt dafür etwa 100 Mill.DM pro Jahr aus.Der "Baby-Benz" werde vom kommenden Februar an serienmäßig mit einer Fahrdynamikregelung ausgestattet, sagte der im Daimler-Vorstand für Personenwagen zuständige Jürgen Hubbert am Mittwoch in Stuttgart.Die rund 3000 bereits ausgelieferten Autos sollen mit dem System nachgerüstet werden.Zudem werden die Reifen bei 1500 der ausgelieferten Fahrzeuge umgerüstet.Die Autos würden durch die Nachbesserungen für den Kunden nicht teurer, sagte Hubbert.Die zusätzliche Fahrdynamikregelung, die bei Daimler ESP (Electronic Stability Program) heißt und für die Oberklasse vorgesehen ist, koste den Konzern etwa 100 Mill.DM pro Jahr.Das ESP stabilisiert das Auto durch automatische Bremsvorgänge in einer Gefahrensituation.Das Umrüsten der Reifen und die für Kunden kostenlose Nachrüstung ausgelieferter Fahrzeuge mit ESP koste den Konzern zusätzlich rund 50 Mill.DM.Daimler-Benz reagierte damit auf Expertenvorwürfe, der Kompaktwagen sei in extremen Fahrsituationen nicht sicher genug. "Die A-Klasse ist in dem sehr breiten Spektrum realer Fahrsituationen absolut sicher", sagte Hubbert.Sie habe aber bei dem als "Elchtest" bekannt gewordenen Slalommanöver "offensichtlich eine Schwäche".Der Elchtest wird so genannt, weil ein plötzlich auf die Fahrbahn tretendes Tier umfahren werden soll.Ein Auto der A-Klasse war in der vergangenen Woche in Schweden bei einer Testfahrt für die Auszeichnung "Auto des Jahres" umgekippt.Vertriebsvorstand Dieter Zetsche berichtete, es habe nach einem am Dienstag ausgestrahlten TV-Bericht zum Fahrverhalten der A-Klasse Stornierungen gegeben.Zahlen nannte Zetsche nicht.Die Fahrdynamikregelung ESP baut Daimler bisher nur in einige Modelle der Oberklasse ein.Sie kostet als Zusatzausstattung derzeit 1700 DM.Ursprünglich war geplant, die elektronische Hilfe vom September 1998 an als Sonderausstattung für den Baby-Benz anzubieten. Bis heute seien etwa 13 000 A-Klasse-Fahrzeuge gebaut worden, davon befänden sich 3000 bei Kunden."Wir werden diesen Kunden anbieten, ihr Fahrzeug nachrüsten zu lassen", sagte Hubbert."Bei den Fahrzeugen, die von heute bis Februar 1998 bestellt sind und zur Auslieferung anstehen, werden wir es der Entscheidung der Kunden überlassen, ob sie sofort ihre A-Klasse fahren möchten oder warten wollen, bis sie mit ESP verfügbar ist." Die Daimler-Vorstände erklärten weiter, daß die A-Klasse rund acht Mill.Testkilometer absolviert und das gleiche intensive Prüfprogramm mit Spurwechsel- und Slalomtests durchlaufen habe, wie andere Baureihen.Bei firmeneigenen Tests habe es drei Unfälle mit Überschlägen gegeben, die jedoch auf andere Ursachen zurückzuführen seien.Der Wagen sei ohne sicherheitsrelevante Vorfälle außerdem rund 400 000 Kilometer von etwa 1400 professionellen Autotestern und Motorjournalisten gefahren worden.Im Augenblick habe der Konzern keine Erklärung für die abweichenden Testergebnisse mehrerer Fernsehsender und Autozeitschriften.Der "Elchtest" solle jedoch in das Mercedes-Testprogramm aufgenommen werden.Der Konzern legte ein vom TÜV Süddeutschland erstelltes aktuelles Gutachten vor, das die Sicherheit der A-Klasse bestätige.TÜV-Vorstandsmitglied Peter Hupfer sagte, bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sei der Wagen fahrstabil.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar