Wirtschaft : Der Bahnchef stellt auf stur

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Von Maren Peters

Kurz vor dem Fest kommt es für Bahnchef Hartmut Mehdorn noch einmal knüppeldick: Nach Fahrgastverbänden und Verbraucherschützern haben nun auch das Bundesverkehrsministerium und sogar die hauseigene Eisenbahnergewerkschaft Transnet sein neues Tarifsystem kritisiert. Zu teuer und zu kompliziert sei es, sagen die Fahrgastverbände, zu schnell ausverkauft auf den billigen Plätzen und zu beratungsintensiv, sagt die Gewerkschaft. Dass alle ein bisschen Recht haben müssen, zeigt ein Blick in die Bahnhöfe: An den Vorweihnachtstagen standen sich die Bahnkunden in langen Schlangen die Beine in den Bauch, um ein Ticket zu bekommen.

Und was macht Mehdorn? Statt einzuräumen, dass es Startprobleme gibt – was bei einem komplett neuen Tarifsystem völlig normal ist – droht er seinen Kritikern juristische Schritte an. Das ist nicht besonders souverän. Mehdorn steht natürlich unter Erfolgsdruck. Schließlich hatte er versprochen, den Tarifdschungel zu lichten, Bahnfahren für viele billiger zu machen und die oft leeren Züge wieder zu füllen. Das klang vielen Kunden nach dem jahrzehntelangen Herumirren zwischen GutenAbend- und Wochenendticket, Würmeling-Ausweis und Familien-Sparpreis von Anfang an fast zu schön, um wahr zu sein. Eine Woche nach Einführung des neuen Preissystems zeigt sich, dass die Kritiker mit vielen Bedenken Recht behalten. Von den idyllischen Zuständen der Insel Lummerland, die die Bahn versprochen hatte, sind die vollen Bahnhofshallen weiter entfernt, als Mehdorn je befürchtet hat. Doch statt seinen Kunden entgegenzukommen und anzukündigen, über das System noch einmal nachzudenken, stellt der Bahnchef auf stur – und provoziert die Kritiker damit erst Recht. Er wird es noch bereuen.

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