Wirtschaft : Der Ball ist bunt

Was der Fan zum Saisonstart braucht – und was nicht

Christian Hönicke

Rrrrrrring. Der Doppelglocken-Wecker Marke „VfL Bochum“ klingelt pünktlich, die 19,95 Euro haben sich echt gelohnt. Es gibt ja auch keine Zeit zu verlieren: Schließlich beginnt an diesem Wochenende die neue Saison der Fußball-Bundesliga. Also raus aus der FC-Bayern-Bettwäsche (45,95 Euro) und die Zahnbürste „BVB“ (1,90 Euro) ihrer Bestimmung zuführen. Danach tut der Nasen-und-Ohren-Haarschneider von Hansa Rostock (14,95 Euro) seine Pflicht, der Schalke-Fön (7,50 Euro) glättet die Matte, weckt aber das Baby. Keine Panik: Hannover-96-Schnuller (2,50 Euro) rein, und schon ist Ruhe. Kaffee muss sein, auch wenn die Zeit drängt. Aus der fünf Euro teuren Kaiserslautern-Tasse schmeckt er gleich viel besser. Noch schnell die VfB-Stuttgart-Krawattenklemme für neun Euro angelegt, die Parkscheibe mit dem Vereinssymbol von Werder Bremen für nur 2,50 Euro eingesteckt, Hertha-Sonnenbrille (69,95 Euro) auf die Nase – und schon kann’s mit dem Wagen inklusive EU-tauglicher Nummernschildumrahmung des Hamburger SV für 4,95 Euro ins Stadion gehen.

Nie war es so leicht zu zeigen, dass man Fußballfan ist. Für jede Lebenslage gibt es ein passendes Accessoire mit dem Logo des Lieblingsvereins. Dabei haben die Klubs ihre Paletten schon reduziert. Hatte etwa Hertha BSC zur Boomzeit des Merchandisings vor ein paar Jahren noch rund 600 Artikel im Angebot, so sind es heute nur noch 300. „Man kann nicht allen Quatsch verkaufen, nur weil das Logo drauf ist“, sagt Reiner Kübler, der beim Berliner Bundesligisten für Fanartikel zuständig ist. Mitte der Neunziger ging das noch. Merchandising war ziemlich neu, die Fans wollten einfach alles mit dem Vereinswappen haben.

Erst Boom, dann Einbruch

Doch 1997/98 brach das Geschäft plötzlich ein. Der Markt war zugeschüttet und übersättigt. Fragwürdige Produkte wie die überteuerte FC-Bayern-Milch versauerten in den Regalen. Erst seit Deutschland im vergangenen Jahr Vizeweltmeister wurde, geht es wieder aufwärts. Hersteller Adidas kam danach mit der Produktion des Trikots der Nationalmannschaft gar nicht mehr hinterher. Auch die Vereine partizipierten an dem Erfolg und setzten wieder mehr Devotionalien ab. Rund 70 Millionen Euro haben die 18 Bundesligisten im Jahr 2002 durch den Verkauf von so genannten Merchandise-Artikeln eingenommen.

Tabellenführer ist der FC Bayern mit rund 24 Millionen Euro, Hertha BSC verdient immerhin noch geschätzte vier Millionen Euro. In den nächsten Jahren soll es „Schritt für Schritt“ nach oben gehen, sagt Kübler. Der Absatz der Klubs wird durch die bevorstehende Europameisterschaft 2004 und natürlich durch die WM 2006 in Deutschland weiter ansteigen. Dabei wird es traditionell zu jedem Bundesliga-Saisonstart und zu Weihnachten die meisten Verkäufe geben. Am besten laufen nach wie vor die Trikots. Sie sind zwar mit einem Preis von rund 57 Euro nicht eben günstig, dafür sind die Kleidungsstücke der Fans aber auch wirklich mit denen ihrer Idole identisch und nicht etwa aus einem billigeren Material.

Gleiche Trikots für Fans und Spieler

Das heißt auch, dass sie sich tatsächlich zum Fußballspielen eignen. Trotzdem sieht man Original-Trikots und -Shorts verhältnismäßig selten auf Bolzplätzen. Das liegt wohl daran, dass die Montur eines komplett ausgestatteten Fans je nach Verein bis zu 125 Euro wert ist. Ohne Fußballschuhe, versteht sich. Dabei sind die eigentlich das Einzige, was man für einen richtigen Kick braucht. Ein Paar Adidas „Manado“ zum Beispiel kostet 60 Euro, ein Paar Nike „Total 90 II“ rund 55 Euro. Fehlt noch ein Ball – preisgünstige wie den Nike „Viento II“ gibt es ab 15 Euro.

Etwas billiger und weniger anstrengend als das Rumgebolze sind Freizeitspiele rund ums Thema Fußball. Einen Kicker findet man in jeder zünftigen Kneipe, ein „Tipp-Kick“- Spiel (jenes, wo man den Figuren zum Schuss auf den Kopf drückt) ab 29,90 Euro in ordentlichen Spielwarenläden.

Für den wahrhaft gebeutelten Fan kann es sich jedoch lohnen, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, um sich seiner Leiden zu entledigen. Per Videospiel kann er dann höchstpersönlich seiner Versager-Mannschaft den lang gehegten Traum von der Meisterschaft erfüllen. Der Kick am Bildschirm wird von Jahr zu Jahr realistischer und ist kaum noch von einer Fernsehübertragung zu unterscheiden. Nationaltorwart Oliver Kahn hat unlängst sogar den Softwarehersteller Electronic Arts verklagt, weil er sich im Spiel „Fifa 2002“ zu realistisch dargestellt sah. Das verletze seine Persönlichkeitsrechte.

Derlei Aussagen sind natürlich eine tolle Werbung für Simulationen wie die „Fifa“-Serie, die zu jeder Saison mit einem neuen PC-Spiel für rund 45 Euro glänzt. Das beste Fußballgame ist jedoch „Pro Evolution Soccer 2“ (rund 60 Euro) für die Playstation 2. Flanken, Fouls und Schüsse sind so realistisch, dass man kaum mehr aufhören möchte und leicht die Zeit vergisst. Also besser den „VfL Bochum“-Wecker stellen.

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