Wirtschaft : Der Banker-Tipp: Die Trendwende an den Märkten lässt auf sich warten

Horst Helpenstein

Die erhofften positiven Impulse für die Finanzmärkte sind bisher ausgeblieben. Geprägt durch einen anhaltend schlechten Konjunkturausblick des Beige Book in den USA und die weiter rückläufige Industrieproduktion wurde der Abwärtstrend an den Börsen wieder aufgenommen. Zusätzlich für Belastung sorgten der negative Ausblick von Cisco, die Herabstufungen des Chipsektors durch verschiedene Brokerhäuser sowie in Europa die Gewinnwarnung von Bayer. Der Konzern musste sein drittgrößtes Pharmaprodukt Lipobay/Baycol wegen schwerer Nebenwirkungen vom Markt nehmen und die Gewinnprognose erneut senken.

Besonders schwer wog in der vergangenen Woche die Kaufempfehlung einer deutschen Großbank für die Deutsche Telekom mit einem Kursziel von 31 Euro und die anschließende Plazierung von 44 Millionen Aktien. Nach dem Verkauf der Papiere, die zum Großteil aus dem Besitz des Mischkonzerns Hutchinson Whampoa stammten, rutschte der Kurs der T-Aktien unter 19 Euro. Der Ablauf der Haltefrist aus dem Voicestream-Umtausch läuft für eine Reihe von Investoren bald aus, sodass auch hier in den nächsten Wochen mit Positionsauflösungen zu rechnen ist. Neben der Telekom stand der gesamte TMT-Sektor ganz im Zeichen des konjunkturellen Ausblicks. Zweifel an UMTS lassen die Telekommunikationskonzerne zögerlich werden und führen zu Investitionsverschiebungen. Obwohl die Netzwerkbetreiber erste Erfolge erzielen konnten, bleiben die Investoren skeptisch, denn mit Sonera hat der erste Konzern seine UMTS-Lizenz zurückgegeben.

Hinzu kommt, dass die konjunkturelle Erholung in den USA weiter verschoben wird. Das Beige Book, ein regelmäßiger Konjunkturbericht der US-Notenbank, zeigt ein sehr verhaltenes Konjunkturszenario für die nächsten Monate auf. Doch in der wenig erfreulichen Nachricht liegt auch eine Chance für die Märkte. Waren die Investoren bisher noch von maximal 50 Basispunkten Zinssenkung in USA ausgegangen, werden erste Stimmen laut, die einen Zinsschritt von 100 Basispunkten erwarten. Daher wächst auch der Druck auf die Europäische Zentralbank, die Zinsen zu senken.

Daneben glauben die Analysten der Commerzbank, dass die europäischen Aktienmärkte derzeit rund zwanzig Prozent unterbewertet sind. Aktuell seien weitere Gewinnrückstufungen in einer Größenordnung um die 25 Prozent bereits eingepreist. Nachdem die Unternehmensgewinne in diesem Jahr bereits um etwa 15 Prozent nach unter korrigiert wurden, ist eine weitere Rückstufung in dieser Höhe eher unwahrscheinlich. Deshalb sollten Anleger im aktuellen Börsenumfeld Positionen weiter aufbauen. Die Commerzbank empfiehlt die Aktien vom Siemens, Linde, Allianz, Infineon, Vivendi und Aegon zum Kauf. Wer nicht in Einzelwerte investieren möchte, dem empfehlen wir Aktienfonds.

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