Wirtschaft : Der Banker-Tipp: Japanische Aktien wieder ins Kalkül ziehen

Gert Schemmann

Der Start in das neue Börsenjahr verlief wie das alte Jahr endete: trostlos. Aktien wurden erneut ausverkauft. Weitere Gewinnwarnungen (etwa von Hewlett-Packard und Yahoo) und enttäuschende Unternehmensergebnisse (Nokia) sowie Rezessionsängste in den USA belasteten die Märkte. Mit den verschlechterten Wirtschaftsdaten argumentierte letztendlich auch die amerikanische Notenbank ihren - im Ausmaß und vom Zeitpunkt her überraschenden - Zinsschritt. Die Senkung der Fed-Funds-Rate um 0,5 Prozentpunkte wird die Konjunkturentwicklung mit einer gewissen Zeitverzögerung begünstigen. Aber die Entscheidung der US-Notenbank diente unseres Erachtens insbesondere auch dazu, die Stimmungslage am US-Aktienmarkt zu verbessern, da sich weitere dramatische Kursverluste negativ auf die Konjunktur niederschlagen würden. Inzwischen wird bereits über weitere Zinssenkungen spekuliert. Diese Spekulationen erhielten jedoch durch die jüngsten Zahlen zu den US-Einzelhandelsumsätzen einen Dämpfer.

Der eingeleitete Zinssenkungstrend in den USA wird sich, wie die Vergangenheit zeigte, positiv auf den Aktienmarkt niederschlagen, weshalb wir trotz einer leichten Rücknahme unserer Prognoseziele optimistisch für den weiteren Jahresverlauf bleiben. Kurzfristig dürfte noch das Spannungsfeld zwischen Zinssenkungsfantasie und Gewinnwarnungen für weitere Turbulenzen sorgen. Die Konjunkturdelle, die in 2001 überwunden wird, sollte moderat ausfallen, wofür verbesserte Arbeitsmarktbedingungen und Steuerentlastungen sorgen werden. Die abnehmende Wachstumsdifferenz zwischen Euroland und den USA sowie die prognostizierte Zinsentwicklung sollte dem Euro Aufwertungspotential eröffnen.

Stärker als gegen den US-Dollar wertete der Euro zuletzt gegenüber dem japanischen Yen auf. Der auch gegenüber dem US-Dollar schwache Yen kommt der japanischen Regierung jedoch nicht ungelegen, wirkt die Abwertung schließlich stimulierend auf die Konjunktur. Verstärkt wird die Yen-Schwäche aktuell durch den schwachen Aktienmarkt. Die Gründe dafür liegen im zurückhaltenden Engagement der ausländischen Anleger und der Verzögerungstaktik der Politiker hinsichtlich der Reformprojekte. Die strukturellen Probleme wie die extrem hohen Ersparnisse und die übermäßig starke Abhängigkeit der Unternehmen von Krediten sind nur zwei Beispiele. Aus unserer Sicht bleibt das Risiko weiterer Konkurse hoch. Deshalb sind kurzfristig weitere Kursabschläge am Kabutocho nicht auszuschließen. Auf Jahressicht sollten die Erfolge aus den Restrukturierungen der Unternehmen und die Yen-Schwäche sich positiv auf der Ertragsseite insbesondere der Exportunternehmen auswirken. Damit könnten in nächster Zeit bereits ausgewählte japanische Aktien auf den Kauflisten erscheinen.

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