Wirtschaft : Der Banker-Tipp: Mit Wachstums- und Substanzwerten zweigleisig fahren

Gert Schemmann

An den Weltbörsen konnte man in letzter Zeit einen Favoritenwechsel beobachten. Nicht zuletzt ein weltweit geringeres Wirtschaftswachstum und damit verbunden eine stark nachlassende Bereitschaft zu Investitionen in neue Technologien führte dazu, dass Titel mit nachhaltiger Wertorientierung wieder gefragt sind. Während in den letzten Jahren viele Anleger vor allem Wachstumswerte bevorzugt gekauft hatten, so ist derzeit eines erkennbar: Die lange Zeit vernachlässigten Unternehmen mit nachhaltiger Wertorientierung erleben eine Renaissance und stehen bei Investoren wieder verstärkt im Blickpunkt.

Vielen sind die Namen Benjamin Graham und Warren Buffet sicherlich ein Begriff. Sie gelten als Urväter der Value-Strategie. Während Benjamin Graham in Zusammenarbeit mit David Dott das Handwerkszeug vieler Value-Investoren ("Geheimnisse der Wertpapieranalyse") verfasste, gilt Warren Buffet als einer der erfolgreichsten Börsianer des 20. Jahrhunderts. So konnte er durch seinen Anlagestil über einen Zeitraum von 35 Jahren eine durchschnittliche Rendite von gut 23,6 Prozent erzielen. Damit hat er die Entwicklung des S & P 500 um knapp 100 Prozent übertroffen. Anhand dieser langen Sichtweise wird deutlich, dass sich die Value-Werte langfristig deutlich besser entwickeln konnten als die so genannten Growth-Werte. Das Geheimnis eines erfolgreichen Value-Investors ist ohne Zweifel sein Fleiß. Er richtet sein Hauptaugenmerk auf die Bilanzen der in Frage kommenden Firmen sowie auf die Unternehmensphilosophie. Ein Value-Unternehmen muss einen realen Gegenwert darstellen. Dieser kann sich in Vermögensgegenständen wie Grundstücken und Gebäuden oder hohen frei verfügbaren Geldmitteln ausdrücken.

Warren Buffet wählte etwa Coca-Cola und Gilette. Bei ihrem Studium der Bilanzen schwören Value-Investoren auf eine Vielzahl verschiedener Kennziffern und Berechnungsmethoden, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Dividendenrendite oder das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV). Anhand dieser Daten wird ersichtlich, dass kurzfristige Marktschwankungen den Value-Investor nicht aus der Ruhe bringen. So ist es möglich, dass es Jahre dauern kann, bis die Börse den fairen Wert einer Aktie erkennt.

Anleger sollten bei ihrer Investmentstrategie zweigleisig fahren. Durch eine Kombination von Value-Strategie und Growth-Strategie sind sie gut aufgestellt. Interessante Valuefonds sind auch in der Produktpalette einiger Investmentgesellschaften zu finden. So bietet unter anderem Union Investment mit Uni-Value-Fonds Europa und Uni-Value-Fonds global zwei Aktienfonds mit Substanzwerten an. Wichtige Kriterien für die gezielte Einzeltitelauswahl sind dabei die Unternehmensbewertung, der reale Gegenwert und eine geringe Schwankungsintensität der Aktien.

0 Kommentare

Neuester Kommentar