Wirtschaft : Der Banker-Tipp: Perlensucher werden bei den Nebenwerten fündig

Die erneute Zinssenkung seitens der US-Notenbank am 27. Juni macht deutlich, dass sich die Notenbankgouverneure mehr Sorgen um die Konjunktur in den USA als um die zuletzt gestiegene Inflation machen. Da der letzte Zinsschritt nur 25 Basispunkte umfasste, bleibt Raum für weitere Zinsschritte auf dem Weg zur wirtschaftlichen Stabilisierung, für die es laut Alan Greenspan erste Indizien gibt. Im Euroraum wird die US-Entwicklung inzwischen nachvollzogen: Die Wachstumsprognosen werden beinahe im Wochenrhythmus nach unten korrigiert, Rezessionsbefürchtungen keimen auf, die Inflationsrate liegt über der Toleranzgrenze der EZB. Dass die europäische Notenbank dennoch ruhig bleibt, liegt an dem in der zweiten Jahreshälfte sich bemerkbar machenden Basiseffekt: die Rohölnotierungen sind im Jahresvergleich etwas niedriger, der schwache Euro stabilisiert sich auf niedrigem Niveau. Damit dürften die Inflationsraten im Jahresverlauf wieder rückläufig sein und den Rentenmärkten Rückenwind verleihen.

Für die Aktienmärkte hingegen spielt die Konjunktur die entscheidende Rolle. Der Abschwung in Bereichen wie Telekommunikation, Halbleiter, Internet und Medien hat die Stimmung massiv beeinflusst. Derzeit herrscht Sorge um weitere Gewinnrevisionen, die zuletzt auch in klassischen Industrien vorgenommen wurden (BASF, Bayer, Merck). Auf der Suche nach den verbleibenden Perlen werden Anleger zurzeit vorwiegend im Bereich der Nebenwerte fündig.

Etwa bei der WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG. Seit dem Hoch Ende 1999 hat sich der Kurs der Aktie halbiert. Angesichts des Liquiditätsflusses aus der risikoarmen Vermietung von Wohnimmobilien und des gut gemanagten Beteiligungsgeschäftes hat die Börse übertrieben reagiert. Für 2001 ist ein Rekordgewinn von 400 Millionen Euro avisiert. Spekulativ orientierte Anleger sollten auf Sicht von sechs Monaten auf einen Turnaround setzen.

In technisch und fundamental interessanter Ausgangslage befindet sich die Loewe AG, einer der innovativsten Hersteller von Unterhaltungselektronik. Die jüngst bekannt gegebene Kooperation mit Sound-Spezialist Bose sowie die Ende August stattfindende Internationale Funkausstellung könnten den Blick auf den Smax-Wert lenken und die Seitwärtstendenz des Kurses beenden. Erst bei 45 Euro (aktuell: 35,50 Euro) erscheint die Loewe-Aktie angemessen bewertet. Aufgrund der Marktenge eignet sich der Wert für spekulative Anleger zur Depotbeimischung.

Auch der Weltmarktführer bei Anlagen zur Produktion von optischen Speichermedien, die Singulus AG, ist zu Unrecht in den Sog der Technologie-Schwäche geraten. Den kurzfristig gedämpften Wachstumszahlen stehen die langfristig soliden und berechenbaren Ertragsperspektiven gegenüber. Noch 2001 erwarte ich Kurse um 35 Euro.

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