Wirtschaft : Der Banker-Tipp: Sicherheitsbewusste Anleger weichen auf die Old Economy aus

GERT SCHEMMANN ist Mitglied im Vorstand der Berlin

GERT SCHEMMANN ist Mitglied im Vorstand der Berliner Volksbank und zuständig für das Investment Banking.

Im Gegensatz zu den Vorwochen war das Geschehen am deutschen Aktienmarkt in den vergangenen Tagen nicht durch Konjunkturdaten geprägt. Lediglich die - allseits erwartete - Zinsentscheidung der US-Notenbank brachte kurzfristig etwas Bewegung in die Kurse. Bestimmend waren daher vorwiegend die Unternehmensnachrichten, die aber für keinen klaren Markttrend sorgten. Während beispielsweise die Neuemission der Deutschen Börse AG als gelungen angesehen werden konnte, kam es besonders im Bankensektor aufgrund enttäuschender Zahlen der Commerzbank zu massivem Kursdruck.

Eine Ausnahme in der Kursentwicklung bildete lediglich die Hypo-Vereinsbank, die von der angekündigten Konzentration ihres Immobiliengeschäftes profitierte. Der recht positive Unternehmensbericht und der Verbleib im Dax haben die Aktie von Adidas-Salomon beflügelt. Kursverluste nach der Bekanntgabe von Unternehmenszahlen gab es hingegen bei Schering und Kamps. Preussag und RWE gerieten dagegen aufgrund ihrer Übernahmepläne in Spanien unter Druck. Zunehmend immun gegen schlechte Nachrichten zeigte sich der Kurs von Daimler-Chrysler.

Letztlich waren es wieder US-Einflüsse, die den Trend des deutschen Aktienmarktes bestimmten: Die Serie enttäuschender Unternehmenszahlen, die auch vor Branchenriesen (wie z.B. Cisco) nicht Halt machte, belastete nicht nur die Technologietitel im Dax, sondern zog sämtliche Marktsegmente nach unten. Betrachtet man vergleichsweise die derzeit vorliegenden Ergebnisse der Unternehmen vom Neuen Markt für das vierte Quartal 2000, so wurden in der Mehrzahl die Prognosen deutlich oder zumindest leicht verfehlt. Obwohl sich die Titel im Technologiebereich zuletzt wieder erholen konnten, ist ein nachhaltiger Kursanstieg mit Blick auf die tendenziell weiter belastenden Unternehmensnachrichten zumindest kurzfristig zweifelhaft.

Daher empfiehlt sich für den risikobewussten Anleger derzeit ein Ausweichen in Branchen der Old Economy, wie beispielsweise Pharma, Bau und Konsum. Die konjunkturellen Rahmendaten für den Euroraum sind unverändert gut, wovon Branchen mit hoher konjunktureller Abhängigkeit profitieren sollten. Als Beispiel für ein solches Unternehmen ist die Bilfinger + Berger Bauaktiengesellschaft zu nennen. Besonders erwähnenswert ist, dass die Abhängigkeit vom margenschwachen Baugeschäft durch einen Wandel zu einem Full-Service-Dienstleister für komplexe Bauvorhaben erfolgen soll. Auch die Zahlen, die das Unternehmen vorlegte, sind beeindruckend. So konnte der Jahresüberschuss im Geschäftsjahr 2000 trotz eines schwierigen Marktumfeldes um beachtliche 86 Prozent gesteigert werden. Nichts desto Trotz sollte man derzeit bei einem Investment auf jeden Fall mit einem engen Stop-Loss-Limit arbeiten und dieses bei steigenden Kursen kontinuierlich nachziehen.

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