Wirtschaft : Der Banker-Tipp: Trotz der schweren Herbststürme sind die Aussichten gut

Heftiger als von mir und den meisten Börsenprofis erwartet, mußten die Aktienmärkte in den vergangenen Wochen Terrain abgeben. Lag die Performance von Dax und Dow Jones im September mit minus 4,9 beziehungsweise fünf Prozent noch im Rahmen des statistischen Durchschnitts, ging die Erosion der Kurse an den Technologiebörsen kräftig weiter: Nasdaq minus 12,7 Prozent, Nemax-50 sogar minus 15,7 Prozent! In den ersten zwei Oktoberwochen beschleunigten sich die Abwärtstrends sogar. Was Anleger derzeit erleben, ist nichts Ungewöhnliches. Es ist das normale "Atmen" des Marktes - der Abbau von zuvor aufgebauten Übertreibungen. Wir dürfen nicht vergessen: Seit 1996 hat sich der Dax knapp vervierfacht! Die jährlichen Indexzuwächse lagen in allen Jahren deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von zehn bis 14 Prozent. In den Jahren 1997 und 1998 gab es im Herbst schwere Kurseinbrüche. Dennoch waren es gute Börsenjahre.

Der Jahrgang 2000 hat trotz der Erosion seit März weiterhin gute Chancen, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind trotz des hohen Ölpreises im wesentlichen gleich geblieben. Nur die Psychologie ist angeschlagen - weltweit. Investoren reagieren auf Gewinnwarnungen von Unternehmen äußerst hektisch und übertrieben. Selbst solide Weltkonzerne aus der "alten Ökonomie" sind betroffen, wie das Beispiel des amerikanischen Konsumgüterherstellers Procter & Gamble - immerhin ein Dow Jones-Wert - zeigt: Im März gab es eine Gewinnwarnung, der Kurs brach von 87 auf 60 Dollar ein. In den folgenden sechs Monaten konsolidierte die Aktie zwischen 53 und 70 Dollar und hat vor wenigen Tagen den 200-Tage-Durchschnitt erfolgreich nach oben geschnitten, trotz auf breiter Front sinkender Kurse. Das Beispiel zeigt, dass Unternehmen von hoher Qualität in relativ kurzer Zeit selbst hohe Kursverluste, die lediglich aus der Überreaktion der Marktteilnehmer resultieren, wieder wett machen können. Auch am Neuen Markt, wo die Indexverluste seit März inzwischen knapp 60 Prozent ausmachen, werden Unternehmen von hoher Qualität wie Heyde, Singulus, Aixtron oder Qiagen weiterhin gut performen - selbst die Kursverluste der letzten Wochen haben nichts an der relativen Stärke dieser Titel geändert. Aixtron, der Weltmarkt führende Hersteller von Produktionsanlagen für Verbindungshalbleiter, liegt noch immer knapp 100 Prozent über dem Schlußkurs des Jahres 1999 und hat die Korrektur des Neuen Marktes nur zur Hälfte mitgemacht. Der DVD-Anlagenhersteller Singulus macht ebenfalls eine gute Figur und behauptet ein deutliches Kursplus gegenüber Jahresbeginn.

Die Chancen für einen versöhnlichen Jahresausklang sind gut. Die zum Teil extrem hohen Bewertungen der meisten Technologieaktien sind größtenteils abgebaut, eine zum Optimismus umschlagende Stimmung wird gerade im Technologiesektor hohe Kursgewinne bringen. Aber achten Sie unbedingt auf die Qualität!

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