Wirtschaft : Der Banker-Tipp: Übertriebener Optimismus wäre unangebracht

Thomas Kurze

Das Börsenjahr 2000 verlief für Börsianer ziemlich enttäuschend. Auch die von mir erhoffte Jahresendrallye ist ausgeblieben, da die wirtschaftliche Entwicklung in den USA schneller als erwartet Ermüdungserscheinungen zeigte und viele Unternehmen gerade aus dem Technologiesektor erneute Gewinnwarnungen aussprachen.

Wie immer zum Jahreswechsel werden neue Anlagestrategien diskutiert und Prognosen getroffen. Viele Analysten sehen für das Jahr 2001 steigende Aktienkurse voraus, was angesichts der zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung auch nachvollziehbar ist. Allerdings kann ich den Optimismus hinsichtlich der Jahresendprognosen 2001 nicht teilen, da die Erfahrung zeigt, dass sich Börsen in Wellen bewegen. Oft werden Kursziele extrapoliert, wenn die Kursdynamik stimmt und die für das Jahresende erwarteten Kurse werden schon lange vorher erreicht. Dies führt dazu, dass die Prognosen den Realitäten angepasst werden müssen. Damit steigen die Erwartungen - und die Gefahren.

Ich empfehle die Beibehaltung meiner defensiven Strategie und den Grundsatz der Risikostreuung. Vor allem aber achten Sie weiterhin auf eine erstklassige Qualität der Werte! Auch sollten Sie einem Strategiewechsel vornehmen. Im November hatte ich darauf hingewiesen, dass den Pharmawerten nicht mehr soviel Potenzial beizumessen ist. Abgesehen von der Sondersituation bei Bayer empfehle ich derzeit keine Engagements in Pharmaaktien, wenngleich nicht auszuschließen ist, dass die Höchstkurse bei Novartis oder Aventis nochmals getestet werden. Längerfristig interessant sieht es in der Touristik aus, die von Kostenentlastungen über den sinkenden sinkender Rohölpreis und den tendenziell niedrigerer Dollar ausgeht sowie steigende Konsumausgaben besonders profitiert. In dieser Branche sollten Sie den Marktführer kaufen: Preussag! Der ehemalige Stahlkonzern hat den Umbau zu Europas größtem Tourismusunternehmen (durch TUI) fast abgeschlossen und ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis per 2001 von unter 20 relativ niedrig bewertet. Charttechnisch sind ebenfalls positive Impulse zu erkennen (leichter Aufwärtstrend seit August 2000, Kurs verläuft über den gleitenden Durchschnittslinien). Innerhalb des gerade begonnenen Jahres sollte die Aktie auf 45 bis 50 Euro steigen.

Die Microsoft-Aktie leidet verstärkt unter enttäuschten Analystenmeinungen, nachdem der Softwarekonzern erstmals nach über zehn Jahren eine Gewinnwarnung ausgesprochen hat. Für das laufende Geschäftsjahr werden nunmehr 1,80 bis 1,82 Dollar Gewinn je Aktie erwartet. Vorstand Steve Ballmer hat ein rigoroses Kostensenkungsprogramm angekündigt und eine Konzentration auf profitable Geschäftsfelder. Nutzen Sie die derzeit schlechte Stimmung zum Aufbau erster Positionen um 40 Dollar, denn ein Unternehmen von dieser Qualität und Größe wird nicht dauerhaft so niedrig bewertet bleiben.

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