Wirtschaft : Der Bankertipp: Die Lage ist deutlich besser als die Stimmung

Horst Helpenstein ist Mitglied der Geschäftsl

Horst Helpenstein ist Mitglied der Geschäftsleitung der Commerzbank AG, Filiale Berlin

Nach freundlichem Wochenauftakt legte der deutsche Aktienmarkt wieder den Rückwärtsgang ein. Obwohl das Wahl-Hick-Hack in den USA mit einem Sieg des von den Börsen favorisierten Kandidaten endete, verdarben Gewinnwarnungen einzelner US-Unternehmen erneut die Stimmung. Diesen negativen Vorgaben konnte sich die deutsche Börse nicht entziehen, zumal auch die Ertragserwartungen einiger heimischer Unternehmen nach unten korrigiert wurden. Bei geringen Umsätzen büßten der Dax und der Nemax im Wochenvergleich jeweils rund fünf Prozent ein.

Auch in den nächsten Wochen wird die Richtung an der deutschen Börse maßgeblich von der Entwicklung an der Wall Street bestimmt werden. Erst wenn sich der Eindruck einer weichen Landung der US-Konjunktur verfestigt - hierfür stehen die Zeichen gut - und es dann zu einer Stabilisierung an den US-Märkten kommt, werden die Stärken der deutschen Unternehmen wieder mehr Beachtung finden. Zwar wird sich das konjunkturelle Wachstum im kommenden Jahr leicht auf 2,8 abschwächen, es liegt aber noch deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Zudem werden die Lohnstückkosten als Folge des technischen Fortschritts und der meist über zwei Jahre laufenden Tarifverträge weiter sinken. Dies lässt ein zweistelliges Wachstum der Unternehmensgewinne erwarten.

Zusätzliche Unterstützung erhält der Markt von dem zum Jahresbeginn großen Anlagebedarf und den hohen Liquiditätsreserven bei Investmentgesellschaften. Auf Sicht von sechs Monaten sollte der Dax in Richtung 7800 Punkte steigen, das wäre immerhin ein Kurspotenzial von rund einem Fünftel. Wenngleich das Tief im Januar 2001 durchaus bei 6000 Punkten liegen könnte, erwarten wir im Jahresverlauf sogar einen Anstieg des Dax auf 8300 Punkte.

Im Einzelnen sieht die Commerzbank überdurchschnittliche Kurschancen bei AMB sowie bei Siemens und Vivendi. Den Kauf von Vivendi empfehlen wir, weil durch die Fusion von Vivendi, Seagram und Canal Plus einer der größten Medienkonzerne der Welt entsteht. Die eingeschlagene Strategie halten wir langfristig für erfolgreich. Siemens stellt für uns aufgrund des Wandels zu einem innovativen dynamischen Unternehmen ein erstklassiges Investment dar. Siemens verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr mit einem Plus von 81 Prozent auf 3,38 Milliarden Euro ein Rekordergebnis.

Und hier noch eine Prognose speziell für den Euro-Pessimisten: Die deutliche Wachstumsabschwächung in den Vereinigten Staaten und eine Verringerung des Zinsvorsprungs am US-Markt gegenüber Euroland sprechen für eine Stärkung des Euro im kommenden Jahr. Auch das hohe US-Leistungsbilanzdefizit sollte dann mehr Beachtung finden. Alles in allem wird dies - nach dem massiven Kapitalabfluss im Jahr 2000 - eine Umkehrung der Kapitalmarktströme in Richtung Euroland bewirken. Für Jahresende 2001 prognostizieren die Commerzbank-Volkswirte einen Eurokurs von 1,04 Dollar.

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