Wirtschaft : Der Bankertipp: Die Unsicherheit an den Börsen hält vorerst an

Die freundliche Stimmung der internationalen Börsen im Januar hat sich im Februar nicht fortgesetzt. Gewinnwarnungen und gesenkte Jahresprognosen führender amerikanischer Technologieunternehmen ließen die Unsicherheit an die Märkte zurückkehren. Vergangene Woche wurden zudem aus den USA und Deutschland unerwartet starke Preissteigerungen vermeldet. Damit trübte sich die Zinssenkungsfantasie vorübergehend ein, zumindest in Europa. Die Angst vor einer lang anhaltenden Schwäche der amerikanischen Wirtschaft lässt den Aktienmärkten derzeit kaum Spielraum für steigende Kurse. Die Märkte greifen im Gegenteil zur Zeit jedes Gerücht willig auf, um die Aktien "abzustrafen". Kurzfristig sind die Aktienmärkte so im Spannungsfeld zwischen Zinssenkungsfantasie und Gewinnwarnungen gefangen.

Die Euphorie des vergangenen Jahres ist vollkommen verflogen. Tiefe Ablehnung und Angst kennzeichnet derzeit den Gemütszustand von enttäuschten Anlegern. Geduld ist angesagt - auch wenn dies die Anleger auf eine harte Probe stellt. Schließlich dauert der Abwärtstrend der Börsen nun schon fast ein Jahr. Es drängt sich aber der Eindruck auf, dass die Märkte ein viel zu negatives Zukunftsbild in die Kurse einfließen lassen. Für die nächsten sechs bis zwölf Monate rechnen wir jedoch mit deutlich höheren Kursen, da wir von einer Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr 2001 ausgehen - wie übrigens auch die amerikanische Notenbank. Hoffnung gibt hier der vergangene Freitag, an dem die Nasdaq trotz Gewinnwarnungen von Motorola und Sun Microsystems einen anfänglichen Rückgang von drei Prozent in ein Plus von einem Prozent umwandeln konnte. Auch in schwierigen Börsenphasen gibt es Aktien, die steigen und Unternehmen, die über sehr gute Geschäftsergebnisse zu berichten haben. Beispiele sind die Hypo-Vereinsbank oder auch Volkswagen.

Profiteure eines solchen Aktienumfeldes sind defensive Werte, die über ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), einen hohen Substanzwert und eine ordentliche Dividendenrendite verfügen. Aus diesem defensiven Börsensegment empfehlen wir, Aktien von Volkswagen und von Degussa zu kaufen. Volkswagen hat mit seinen sehr guten Geschäftszahlen für 2000 den Markt positiv überrascht. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte VW weitere Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis an. Eine Modelloffensive in den nächsten fünf Jahren soll das Wachstum forcieren, wobei die Produktion über die Plattformstrategie die Produktionskosten weiter senken soll. Die neue Degussa ist nach der Fusion mit SKW Trostberg ein bedeutendes Spezialchemieunternehmen mit Restrukturierungspotential. Steigende Produktmargen sollten hier das Ergebnis deutlich ansteigen lassen. Interessant ist außerdem, dass im Verschmelzungsbericht die alte Degussa-Hüls mit einem Wert von 49,35 Euro ermittelt wurde, was deutlich unter dem aktuellen Börsenkurs der fusionierten Gesellschaft liegt.

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